Ducati World Championship - Adel verpflichtet

Desmo_SideMitte der 1920er Jahre in Bologna gegründet, kann die Firma Ducati, trotz wirtschaftlicher Rückschläge, auf eine rund 80 jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Vor allem unter Motorradfreunden gilt die Ducati als Königin der Rennmaschinen. „Ducati World Championship“ des italienischen Entwicklerteams „Artematica“ will nun den italienischen Traum auf heimische Computermonitore bannen – Geschwindigkeitsrausch und Fliegenklatsche inklusive.

<a href="/?q=node/58"><img class="g2image_float_right" src="/galerie/main.php?g2_view=core.DownloadItem&amp;g2_itemId=1900&amp;g2_serialNumber=2&amp;g2_GALLERYSID=5384c4a71cfe9170f3902c00ba848e75" alt="Desmo_Side" title="Desmo_Side" width="175" /></a>Mitte der 1920er Jahre in Bologna gegründet, kann die Firma Ducati, trotz wirtschaftlicher Rückschläge, auf eine rund 80 jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Vor allem unter Motorradfreunden gilt die Ducati als Königin der Rennmaschinen. „Ducati World Championship“ des italienischen Entwicklerteams „Artematica“ will nun den italienischen Traum auf heimische Computermonitore bannen – Geschwindigkeitsrausch und Fliegenklatsche inklusive.

ducati_world_04„Ducati World Championship“ darf sich seiner Einzigartigkeit rühmen. Kein Game im Genre der Motorradrennspiele bringt – dank offizieller Lizenz – so viel „Ducati“ auf den Monitor wie „Ducati World Championship“. Rund 70 originale Motorräder hat das Team von Artematica in das Spiel integriert. Ausgefahren werden die PS-Geschosse auf mehr als 30 Rennstrecken in verschiedenen Wettbewerben und unter wechselnden Wetterbedingungen. Der Karrieremodus will dafür sorgen, dass das Spiel für längere Zeit nicht von der Festplatte fliegt. Abgerundet wird „Ducati World Championship“ von Wettstreiten der ausgefallenen Art wie der „Capirex Challenge“, die aus zwölf unterschiedlichen Aufgaben besteht.

ducati_world_01Ausgefallen, das sind Wettbewerbe wie dem Fahren auf dem Hinterrad („Wheelie Test“), dem Stoppen des Motorrads auf dem Vorderrad („Indo Test“) und dem Wettkampf gegen Motorradprofis wie Roberto Rolfo oder Loris Capirossi. Die äußeren Werte von „Ducati World Championship“ hören sich schon ’mal verdammt gut an. In der Umsetzung kränkelt es jedoch an groben Fahrlässigkeiten wie unterdurchschnittlicher Grafikdarstellung, ohrenstrapazierender Soundkulisse, mangelnder Abwechslung im Streckendesign und dürftiger Gegnerintelligenz.

Kaffeekränzchen und Picknicktour

ducati_world_11 Während die Gegner weit, weit hinten im abgeschlagenen Feld munter dem gemeinsamen Kaffeekränzchen nachgehen, gemütlich die Picknickdecke ausbreiten und vermutlich hitzig über den neuesten Klamottenchic der Boxenluder debattieren, lässt sich vorne an der Spitze des Renngeschehens ganz gemütlich und in wohliger Einsamkeit konzentriert die Strecke meistern. Zwei- und Vielkämpfe mit den Computergegnern sind so eine Sache bei „Ducati World Championship“. Ist das Startfeld zu Beginn der Rennveranstaltung noch konsistent, die Rennteilnehmer dicht an dicht, so trennt sich spätestens in der ersten Kurve die Spreu vom Weizen.

ducati_world_16„Schuld“ daran hat, neben der müden künstlichen Intelligenz der Computergegner, der eingebaute Turbobooster mit Nitropower, der offenbar ausschließlich dem Renngeschoss des Spielenden zur Verfügung steht. Auf Tastendruck geht das Renngefährt ab wie ein Zäpfchen und lässt die Köpfe der staunenden Zuschauermenge wild rotieren. Die Computergegner verfügen nicht über solch einen Nitrobomber und gucken staunend, vor allem auf langen Geraden, in den Rennauspuff des Spielers. Sehr gut möglich ist es also, das Feld zweimal von hinten aufzuräumen: zum ersten Mal beim Start des Rennens und zum zweiten Mal beim Überrunden der lahmen Gegner.

ducati_world_12Kommt es dann doch zum Zweikampf und geht es dann einmal härter zur Sache, mahnt die Soundkulisse Rempler mit einem dumpfen „Klong“ an. Analog einem Autoscooter prallt das gute PS-Gestüm aus dem Hause Ducati von dem gegnerischen Renngefährt ab und muss erst einmal wieder unter Kontrolle gebracht werden. Härtere Rempler gar werden mit dem Abflug in die Botanik bestraft. Da sich Verletzungen am virtuellen Spieler auf die Fahrgeschwindigkeit auswirken – schließlich muss ein Motorradrennfahrer ja saftigen Zentripetalkräften standhalten – ist nach jedem Rennen bei Bedarfsfall Doktor „Costa“ zur Stelle, um den geschundenen Körper wieder fit zu machen. Drei solcher Besuche beim Onkel Doc stehen in einer Rennserie zur Verfügung.

ducati_world_24Im Karrieremodus bringt beinahe jeder gewonnene Wettbewerb ein Goodie mit sich. So vergrößert sich nach und nach die Anzahl der Motorräder in der Garage und neue Strecken und Wettbewerbe werden freigeschaltet. Durch die verschiedenen Rennserien der jeweiligen Klassen C, B und A, der Königsklasse, leitet eine horizontal scrollende Übersicht, die festhält, welche Art von Rennveranstaltungen existieren, welche Strecke bestanden, welches Event noch aussteht und die Art des Gefährts, das für das Event benötigt wird. Leider mangelt es der Darstellung arg an Übersicht und Komfort. So ist es vor den unterschiedlichen Wettbewerben beinahe immer nötig, in die Garage zu steigen und ein Motorrad aus der entsprechenden Fahrzeugklasse auszuwählen. Schnell wird dabei die Suche im Fuhrpark nach adäquatem Gefährt (gnädigerweise markiert mit einem kleinen Ausrufezeichen) zur fordernden Wuselei.

Unterwegs auf dem Rücken von Stubenfliege Puck

ducati_world_06Ducati, das ist kein gewöhnliches Motorrad. Neben der knackigen Optik zeichnen sich Motorräder aus dem Hause Ducati vor allem durch ihren satten dicken fetten Monstersound aus. Fährt eine Ducati vorbei, stellen sich die Armhaare auf und eine Gänsehaut krabbelt gemütlich den Rücken hinauf. Bei „Ducati World Championship“ ist das anders. Da wird der Feuerstuhl zum dicken Brummer, der die Lautsprechermembran mit brutalem „Bsssssssss“ zum Schwingen bringt. Intuitiv will man da zur Fliegenklatsche greifen und den lästigen Brummer ins Jenseits befördern. „Ducati World Championship“ trägt zwar die offizielle Ducati-Lizenz, bewegt sich soundtechnisch jedoch auf dem Niveau „Herr der Fliegen“. Das folgende Video zeigt eine Runde in „Ducati World Championship“ auf dem Rücken von Puck, der Stubenfliege.

Gut fürs Ego

ducati_world_09Trotz Mängel wie dem fehlenden Denkapparat der Computergegner oder dem kraftlosen Motorradsound bringt „Ducati World Championship“ jedoch unverbindliche Kurzweil und eine gute Portion Spielspaß auf den Monitor. Besonders die leicht zu erlernende Steuerung der PS-Boliden kommt dem Spiel zu Gute. Nach sehr kurzer Eingewöhnungsphase ist man vertraut mit den Motorrädern, so dass über die unzähligen Pisten – sogar zu zweit an einem Monitor – gebrettert werden darf. Die vielfältigen Wettbewerbe trösten dabei gut über das nicht gerade fordernde Streckendesign hinweg.

ducati_world_17 Im späteren Verlauf geht es dann sogar gegen Altprofi Capirossi auf die Piste.
Der arme Capirossi. Gemütlich lässt man ihn spätestens nach der ersten Kurve im Regen stehen, so dass der Gute hilflos mehrere Runden lang nur noch Reste von Auspuffluft in weiter Ferne schnuppern darf. Nun ja. Gegnerintelligenz hin oder her – einen mehrfachen Weltmeister auf dem Motorrad schlagen zu dürfen, das ist auf jeden Fall gut fürs Ego.

Wertung
3
1
6
4
4
4
4

Kein Überflieger, aber auch kein Schuss in den Ofen. „Ducati World Championship“ macht viel falsch, macht aber auch viel Spaß (mit ausgeschalteten Lautsprecherboxen und einem gutmütigen Grafik-Auge).

Wertung wird angezeigt
4

Trackback URL for this post:

http://www.bitbunnys.de/trackback/58
Auf einen Blick: Die Wertung
Grafik
3
37

Kein Überflieger, aber auch kein Schuss in den Ofen. „Ducati World Championship“ macht viel falsch, macht aber auch viel Spaß (mit ausgeschalteten Lautsprecherboxen und einem gutmütigen Grafik-Auge).

Sound
1
Steuerung
6
Multiplayer
4
Atmosphäre
4
Motivation
4
Bunnyfaktor
4