Crashday - Sky is the limit

crashday1Vom Hobbyprojekt zum Vollpreistitel: Zwei Schüler aus der beschaulichen Blütenstadt Blankenburg am Harz arbeiten mehrere Jahre lang an ihrem Traum vom Generalüberholten Stuntrenner 4D Sports Driving. Nach acht Jahren der Entwicklung steht das Spiel in den Händlerregalen. Die Mühen haben sich gelohnt – Crashday rockt das Haus mit erfrischend neuen Spielideen und einer Optik und Präsentation, die sich gewaschen hat.

<a href="/?q=dauerbrenner/crashday/crashday-sky-is-the-limit"><img class="g2image_float_right" src="/galerie/main.php?g2_view=core.DownloadItem&amp;g2_itemId=2497&amp;g2_serialNumber=2&amp;g2_GALLERYSID=5384c4a71cfe9170f3902c00ba848e75" alt="crashday1" title="crashday1" width="175" /></a>Vom Hobbyprojekt zum Vollpreistitel: Zwei Schüler aus der beschaulichen Blütenstadt Blankenburg am Harz arbeiten mehrere Jahre lang an ihrem Traum vom Generalüberholten Stuntrenner 4D Sports Driving. Nach acht Jahren der Entwicklung steht das Spiel in den Händlerregalen. Die Mühen haben sich gelohnt – Crashday rockt das Haus mit erfrischend neuen Spielideen und einer Optik und Präsentation, die sich gewaschen hat.

stunts_2Die frühen 1990er Jahre: Gebannt sitze ich vor dem Monitor und rase mich um Kopf und Kragen. 4D Sports Driving, entwickelt von Mindscape, flirrt im grobpixeligen MCGA-Modus mit 256 Farben über den Bildschirm und lässt mich schwitzen, als ich gegen die gespeicherten Rundenzeiten von Freunden antrete. Die Strecke, auf der ich mir mit meinem Jaguar XJR9 jeden virtuellen Meter erkämpfe, ist ein einziges Wirrwarr aus Loopings und Sprungschanzen, die Steuerung der empfindlichen Sportwagen ein schwer berechenbares Spiel mit dem Zufall. Jede Rennstrecke, jeder Looping, jede Bodenwelle ist eine Herausforderung. Seinen Reiz verliert Stunts, unter welchem Namen 4D Sports Driving auch firmiert, schließlich durch einen Bug: Ich umfahre die Startlinie, die zugleich als Ziellinie fungiert und das Rennen ist beendet – mit einer Zeit von wenigen Sekündchen. Durch Entdeckung dieses Fehlers geht schlagartig die Motivation flöten, gegen möglicherweise erschummelte Rundenzeiten den nervenaufreibenden Rennkampf anzutreten.

Das Maß der Dinge

carmageddon_3Andere Spiele kommen und gehen; neben Have a N.I.C.E. Day (1997/1998) begeistern vor allem Destruction Derby I und II 1995/1996 und die Carmageddon-Trilogie (1997, 1998 und 2000) mit der Spielidee, das Gegenüber in seine blechernen Einzelteile zu zerlegen. 2004 dann Flatout und der Beginn der Trackmania-Reihe. Richtig zu überzeugen weiß jedoch keines der neueren Stuntrennspiele. Zu unspektakulär das Rennfahren gegen Trackmanias Geisterfahrer, zu unprickelnd, mit kleinen Seifenkisten durch die Baukastenstrecken der Trackmaniawelt zu düsen – ganz zu schweigen von Flatout und seinem fehlendem Onlinemultiplayer-Modus. Nach und nach wird sie zur Obsession, die Suche nach dem perfekten Stuntrennspiel. Das Maß der Dinge bleibt die texturenlose Polygonwelt von Stunts.

„Die ganze Jugend für ein Spiel“

crashday5Ähnlich nostalgische Gedankengänge haben vermutlich auch die Entwickler von Crashday dazu motiviert, ihr eigenes Spiel zu konzipieren. Ganze acht Jahre arbeiteten die Schulfreunde Jan Bodenstein und Robert Clemens an ihrer Antwort auf Stunts und Konsorten. Einem Interview auf spiegel.de zufolge („Die ganze Jugend für ein Spiel“), war es 1998, als der Startschuss für das Projekt Crashday fiel. Um ihre Spielvorstellungen in Programmcode zu verwandeln, wälzten die beiden Schüler Buch um Buch, erarbeiteten sich das Programmier-KnowHow und grasten ihre Umwelt nach Motiven für Crashday ab. Das Städtchen Blankenburg am Harz stand dabei Modell für Crashdays Welt.

crashday4Auf Konzeptzeichnungen und Binärcode folgte der erste Trailer, der Spielszenen aus Crashday zeigte und spontan Scharen von Spielbegeisterten auf seine Seite zog. Interessierte und Fans gruppierten sich um das ambitionierte Projekt, das erstmals 2002 auf der Leipziger Messe Games Convention für einen kurzen Moment das Licht der Öffentlichkeit erblicken durfte. Dort gelang es den beiden, Kontakte zur Spielindustrie zu knüpfen, woraufhin ein Hamburger Entwicklerstudio sein Interesse an dem Projekt bekundete und der Entwicklung des Spiels unter die Arme griff. Nach reichlich Klinkenputzen bei mehr als vierzig Publishern zeichneten Bodenstein und Clemens 2004 den Vertrag mit Publisher Atari.

Feuer unter dem Hintern

crashday6Was anmutet wie eine Erfolgsgeschichte aus tausend und einer Zocknacht, ist die Hintergrundstory zum Spiel, das sich auf alte Werte à la Stunts, Carmageddon, Destruction Derby, stützt und dem Genre der Stuntrennspiele endlich neues Feuer unter dem müden Hintern macht. Ein Fuhrpark, bestehend aus zwölf nitrohungrigen Fahrzeugen, will im Singleplayermodus freigespielt werden, um auf Crashdays waghalsigen Strecken in seine blechernen Einzelteile zerlegt zu werden. Vom hochgezüchteten Sportwagen im Lamborghini-Look, hin zum panzerähnlichen „Wrecker“ steht eine Vielzahl an fahrbaren Untersätzen bereit, um Crashdays zahlreiche Pisten und Stuntparcours zu meistern. Selbstverständlich dürfen die PS-Boliden mit freispielbaren Zusatzkomponenten wie Motorhauben, Spoiler oder Tuningmaterial aufgebrezelt werden.

crashday11Der Einzelspielermodus Crashdays ist vielmehr als gemütliche und kurzweilige Einführungsveranstaltung zu begreifen, denn als tiefgründige Solohandlung mit ausgefeiltem Storytelling. In vierundzwanzig Rennen wird in Form von Polaroid eine kleine, professionell erzählte, Geschichte gesponnen um die Karriere eines Profifahrers, der sich auf ausgefallenen Wettbewerben dank Fahrkönnens die Karriereleiter hochschraubt. Rennen um Rennen wird freigeschaltet und schließlich ist der Einzelspielermodus in wenigen Stündchen komplett durchgespielt. Die nervenaufreibenden Spielmodi haben es jedoch in sich und sind vor allem in Mehrspielerpartien Garant für höchst knackige Matches mit Suchtgarantie.

Crashdays Spielmodi

crashday8Neben klassischen Rundkursrennen, Knock-Out- oder Sprintwettbewerben, bei denen der schnellste Wagen siegt, sind es vor allem unkonventionelle Wettbewerbe wie Stunt Show, Wrecking Match, Hold the Flag, Pass the Bomb oder Bombing Run, die schnell deutlich machen, dass Crashday nicht in die Riege der zahlreichen Schmalspur-Stuntrenner einzuordnen ist. So geht es im Wrecking Match Modus einzig und allein darum, das gegnerische Fahrzeug per Raketenwerfer, Minigun oder saftigem Einsatz des eigenen Wagens auf den Schrottplatz zu schicken. Jedes plattgemachte Auto wird hier mit einem Punkt belohnt. Der Hold the Flag Modus ist alten Egoshooter-Hasen wohlbekannt: Ein überdimensionierter Smiley fungiert als Fahne und muss, auf dem Auto befestigt, durch diverse Checkpoints gefahren werden, um Punkte zu sammeln. Berührt ein anderer Wagen das Fahrzeug des Fahnenträgers, so wechselt die Fahne, sprich der Smiley, seinen Besitzer.

crashday7Geht es im Hold the Flag Modus noch einigermaßen freundlich zu, so ist im Pass the Bomb Wettbewerb eiskalte Berechnung gefragt. Eine Bombe ist auf einem der teilnehmenden Fahrzeuge befestigt und explodiert zu einem festgelegten Zeitpunkt. Per Rempler wird die Bombe an das angefahrene Auto abgegeben. Unaufhaltsam tickt die Uhr. Prickelnd wird’s bei der Punkteverteilung: Der Spieler, der die Bombe kurz vor Explosion an den Gegenspieler abgegeben hat, erhält drei Punkte, die anderen einen Punkt. Keine Punkte erhält der Spieler, auf dessen Dach die Bombe explodiert. Nach definierter Rundenzahl endet das Rennen und der- oder diejenige mit den meisten Punkten gewinnt.

crashday10Im Bombing Run Modus muss der Wagen ständig in Bewegung bleiben, da unterhalb einer bestimmten Geschwindigkeit eine auf dem Autodach montierte Bombe zu explodieren droht. Erhöht wird die Schwellengeschwindigkeit durch das Passieren von Kontrollpunkten. Wer die meisten Kontrollpunkte passiert, gewinnt. Neben Minispielen wie Weitsprung oder Checkpointjagd, die im Mehrspielermodus nicht zum Einsatz kommen, macht vor allem der Stuntshow Modus jede Menge Spaß. Auf einer Rennstrecke, gespickt mit Loopings, Sprungschanzen und halsbrecherischen Korkenzieherrampen geht es darum, den Punktestand mittels waghalsigen Stunts hochzuschrauben. Je länger die Kette der aneinander gereihten Stunts, desto höher der Punktestand.

The Sky is the limit

crashday16Crashday ist Kurzweil vom Allerfeinsten. Über den viel zu kurzen Einzelspielermodus tröstet vor allem der sehr gelungene Mehrspielermodus hinweg. Fernab von Realismus und physikalischen Gesetzen darf hier ohne Erfolgsdruck in den unterschiedlichsten Spielmodi der Zerstörung gefrönt werden. Dabei ist besonders das Schadensmodell der Autos ein Augenschmaus. Bei starken Bodenwellen passiert’s gerne mal, dass die Fenster zerbersten, oder sich die Stoßstange verabschiedet – ganz zu schweigen, was beim Megamonsterstunt mit abschließendem Fall aus Wolkenkratzerhöhe geschieht. Crashday zelebriert die Wiederauferstehung alter Schinken wie Stunts, Carmageddon und Destruction Derby, vermischt mit neuen, ungeahnten, Möglichkeiten, es mal so richtig derbe krachen zu lassen – The Sky is the limit.

Wertung
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7
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9
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10

Crashday ist so etwas wie die Erfüllung eines nostalgischen Tagtraums: Man nehme den alten Schinken Stunts, würze es mit einer Prise Carmageddon und Destruction Derby - fertig ist Crashday.

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Auf einen Blick: Die Wertung
Grafik
8
80

Crashday ist so etwas wie die Erfüllung eines nostalgischen Tagtraums: Man nehme den alten Schinken Stunts, würze es mit einer Prise Carmageddon und Destruction Derby - fertig ist Crashday.

Sound
7
Steuerung
8
Multiplayer
9
Atmosphäre
7
Motivation
7
Bunnyfaktor
10