Um es vorwegzunehmen, Trackmania hat Charme aber ist dennoch kein wirkliches Topspiel. Die Ansätze und Ideen sind teilweise genial, da sie die alte „Stunts“-Philosophie beinahe 1:1 übernimmt. Es fehlt jedoch in der Umsetzung der Bezug zur neuen Zeit der Computerspiele. Dies wird eigentlich schon im Hauptmenü sichtbar, dass lieblos gestaltet ist und den Vergleich mit früheren DOS-Spielen aufkommen lässt. Begibt man sich dann jedoch ins Spiel wird man zunächst begeistert von Auto und Strecke sein. Die drei Autovarianten sind eng verknüpft mit den drei möglichen Terrains, der Ami-Sportwagen für die Wüstenautobahn, der Mini für Wald und Wiese sowie der Jeep für Schnee und Eis. Im Einzelspielermodus ist das Prinzip simpel, drei vorgegebene Zeiten bedeuten Bronze, Silber oder Gold. Wurde eine Strecke komplett befahren kommt die nächste schöne Idee, ein „Ghost-Auto“ fährt die Strecke in der Manier wie der Spieler die bislang beste Runde absolviert hat.
Je mehr Goldmedaillen der Spieler erreicht umso mehr Strecken warten auf ihren Meister. Da dieser Kampf gegen die Uhr langweilig werden könnte gibt es noch einen Puzzle-Modus, in dem im Streckeneditor begrenzte Streckenelemente zu Verfügung stehen um eine Strecke zu komplettieren. So wird der Umgang mit dem Streckeneditor gelernt, der ein wichtiges Prinzip innerhalb des Spiels ist. Strecken lassen sich sehr einfach austauschen und im Internet verbreiten. Gespeicherte Replays zeigen den Ghost Wagen auf der Strecke, so sind Zeiten ebenso einfach zu tauschen wie Strecken.
Doch diese Spielmodi sind zu wenig für ein klasse Spiel! Ein Rennspiel lebt nun mal auch von dem Wettbewerb mit anderen Gegnern, gerne würde man gegen 6-20 andere Fahrer antreten. Ein Fahren gegen die Zeit oder den Ghost Wagen macht auf Dauer nicht den Spaß, den richtige Autos auf der Strecke bringen würden. In höheren Spiellevel werden die Strecken auch etwas zu mühselig, 5 Minuten Fahrten auf Pisten die 100 Meter über dem Boden ohne Begrenzung zu absolvieren sind erlauben keinen Fehler. Natürlich muss dann noch hin und her gesprungen werden, Schanzen mit genau bemessener Geschwindigkeit erwischt werden und Loopings mit Höchstgeschwindigkeit getroffen werden. Die waghalsigsten Strecken stellen den Fahrer praktisch vor eine unlösbare Aufgabe, bzw. lässt die Spielmotivation sinken und den Spielfrust steigen.
Dabei wäre der Schritt für Trackmania zum Topspiel gar nicht mehr so weit, etwas mehr Variation im Fuhrpark, eingebaute Streckensicherheit in schwindelnder Höhe und Computergegner für den Renncharakter. Dazu noch ein Multiplayermodus der den direkten Kampf gegen Freunde zulässt, am besten noch per Internet und Trackmania könnte sich einen Spitzenplatz ergattern. Vielleicht schon sehr bald, denn Trackmania Sunrise soll eine weiteres Spiel der Reihe werden und in Kürze erscheinen.
Jeden Tag eine neue Strecke mit Bestzeit versorgen und man hat mit Trackmania auf lange Sicht Spaß.