Eine Leiche wurde angespült am East River in New York City. Verletzungen im Hals- und Brustbereich machen sofort klar, dass der Unbekannte nicht auf natürliche Weise umgekommen ist. Die Nachforschungen beginnen. Ein Angler hat die Leiche gefunden – ein erster Verdächtiger? Freilich nein, der gute Mensch steht Abseits des Fundortes des Toten und zittert am ganzen Körper vor Angst. Einfühlsam befragt, gibt der Angler erste wichtige Hinweise, die den Zeitpunkt des Verbrechens eingrenzen. Spuren am Tatort werden gesichert. Fragen stellen sich: Warum ist ein Stück aus dem Mantel des Opfers herausgerissen?
Schleifspuren, Blut - Auf der Suche nach Indizien
Die Gerichtsmedizin bestätigt nach Obduktion der Leiche die Annahme eines gewaltsamen Todes und folgert weitere Hinweise über den Punkt, an dem der Tote ins Wasser geworfen sein könnte. Ein gutes Stück weiter flussaufwärts vom Fundort findet sich der Tatort, das Con-Edison-Werk. Eine Blutspur zieht sich über den Asphalt, Schleifspuren und ein Fußabdruck – Schuhgröße 45 – hat der Mörder am Tatort hinterlassen. Wir folgen der blutigen Spur und entdecken den Ort, wo das Verbrechen seinen Lauf nahm. Knieabdrücke im Erdreich deuten darauf hin, dass der Mörder sein Opfer gezwungen haben muss, sich vor ihm zu erniedrigen – ein Hinweis auf die emotionale Bindung des Mörders an den Toten?
Warum musste der Staatsanwalt sterben?
Mehr und mehr Hinweise finden sich; jedes Indiz ist Puzzleteil im Mordfall. Abseits des Con-Edison-Werkes entdecken wir das Auto des Toten. Staatsanwalt Martin Costillo wurde zu seinem sicheren Tod gelockt. Er hat Blut auf den Autositzen hinterlassen, im Aschenbecher zerrissenes Papier. Jeder kleinste Anhaltspunkt kann entscheidend sein, also setzen wir die Papierschnipsel wieder zusammen – ein Zigarrenband.
Warum musste der Staatsanwalt sterben? Hat er sich etwas zu Schulde kommen lassen? Etwas, das jemand dazu trieb, ihn zu töten?
Vier Fälle, die größere Zusammenhänge offenbaren
Wie sich aus dem Nichts ein großes Ganzes stückweise zusammensetzt, das lässt sich in „Criminal Intent“ mit viel Spannung nachvollziehen. Neben dem Mordfall an dem Staatsanwalt wollen noch zwei weitere Mordfälle gelöst werden: Eine Tote liegt mit aufgeschnittenen Pulsadern im Hotelzimmer. Jedoch ist es nicht der Blutverlust, der Lisa Stokes tötete, sondern ein heftiger Schlag auf den Kopf mit einem stumpfen Gegenstand. Im dritten Fall will der Mord an dem Vizepräsidenten einer Bank aufgeklärt werden. In seinem Haus wurde der Mann mit einem Baseballschläger totgeprügelt. Zwischen den drei Fällen lässt sich im Spiel beliebig wechseln. Sind die Fälle abgeschlossen und die Täter überführt, wird im vierten Fall klar, dass die Angelegenheiten etwas gemeinsam haben, ja mit einem größeren Ganzen zusammenhängen, als angenommen.
Stimmige Umsetzung
„Criminal Intent“ ist das Spiel zur gleichnamigen Krimiserie um Detective Robert Goren und sein Team aus Forensikern und Profibeschattern. Die Atmosphäre der Serie ist im Spiel gut umgesetzt. Dazu trägt vor allem bei, dass Goren im Spiel von seiner deutschen Synchronstimme gesprochen wird. Weitere Charaktere passen zwar nicht mit ihren Stimmen in der Serie zusammen, sind aber ebenfalls hochwertig umgesetzt. Musikalisch untermalt wird das Spiel vom Originalsoundtrack der Serie.
Adventure mit gemütlichem Schwierigkeitsgrad
"Criminal Intent“ ist ein klassisches Point & Click Adventure mit gemütlichem Schwierigkeitsgrad, das – der dichten Atmosphäre wegen – aber auch erfahrene Spielerinnen und Spieler vor den Monitor fesselt. Jedes vorgerenderte Spielbild wird nach Indizien abgegrast, die an das Labor übergeben und dort durchgeprüft werden. Verdächtige Personen lassen sich per Klick überwachen. So wird schnell klar, wer sich zu welchem Zeitpunkt wo aufgehalten, wer vorgestraft, wer blütenrein – oder wer mit wem eine Affäre hat.
Dialogsystem: richtige Stimmung erforderlich
Die Dialoge mit den Verdächtigen sind durchweg interessant, keineswegs langatmig und bringen die Handlung des Spiels voran. Das Dialogsystem bringt eine kleine aber gute Innovation ins Spiel: Bei der Befragung der Zeugen und Verdächtigen muss die richtige Stimmung getroffen werden. Streitlustig, täuschend, schmeichelnd, gradlinig und einfühlsam, das sind die fünf Optionen, mit denen sich die Dialoge lenken lassen.
Schlechte Grafik
Negativ fällt bei „Criminal Intent“ die Grafik des Spiels ins Auge. So läuft der pixelige Goren durch schlecht aufgelöste vorgerenderte Bilderwelten einzig in einer Auflösung von 800x600 Pixel. Zeitgemäß ist das freilich nicht. Und auch die Steuerung des Detectives ist nicht das gelbe vom Ei. Bei Dialogen muss sich der Gute zunächst umständlich positionieren. Auch das simple Spazieren fällt dem Detective nicht leicht. Oft verhakt er sich an Ecken und Kanten seiner Umgebung.
Ein gutes Krimiadventure
Sieht man ab von der schlechten Grafik und der oft eintönigen Lauferei, so gibt’s mit „Criminal Intent“ ein gutes Krimiadventure, das vor allem mit seinem direkt zum Marktstart reduzierten Preis auf keiner adventureaffinen Festplatte fehlen sollte. Fans der Serie erhalten dank stimmigem Soundtrack und guter Umsetzung der Seriencharaktere ein gutes Stück Software, mit dem sich "Criminal Intent"-freie Fernsehstunden spannend überbrücken lassen.
"Criminal Intent" setzt kein Serien- und Vorwissen voraus, so dass auch Serien-Abstinenzler mit Spaß an der Aufklärung von Morden und Spaß am Rätseln auf ihre Kosten kommen.
Spannendes Krimiadventure mit dichter Spielatmosphäre.