Ryan scheint noch immer traumatisiert von dem Tod seines Vaters zu sein. In den zahlreichen Zwischensequenzen schaut er mehr als oft an seinen Gesprächspartnern vorbei. Sein Blick geht wohl nach "Funtopia", der Zwischenwelt, wo nur gut programmierte Spiele über den Ladentisch wandern. Man möchte Ryan einen kleinen Schlag auf den Hinterkopf geben, damit er zurück in seine Welt kehrt und sich voll und ganz auf's Rennfahren konzentriert. Ohnehin scheint Ryan das ganze Spiel über auf einem heftigen Barbiturat-Trip zu schweben. Seine Stimme, Bruce Willis in den frühen Morgenstunden, der eben erwähnte schäle Blick und seine spärlich besiedelte Kopfhaut zeichnen kein schönes Bild von dem Protagonisten des Spiels. Als Identifikationsfigur taugt Ryan McKane keineswegs. So tut es dem Spielverlauf nicht weh, die Zwischeneinspielungen mit einem Druck auf die Escape-Taste abzubrechen. Lässt man die Zwischensequenzen dann doch laufen, so malen Sie ein leicht durchschaubares Bild der Rennfahrerei um Ryan McKane. Da geht es um Intrigen, einen Streit zwischen Ryan und seinem Bruder Donnie (ebenfalls Rennfahrer) und den Mord an Kyle McKane, dem Vater der beiden.
Im Geschichtenerzählen ist "DTM - Race Driver" unterste Schublade. Das jedoch, worum es in dem Spiel an erster Stelle geht, macht sehr viel Spaß: Rennfahren. DTM ist ein knackiger Arcade-Renner ohne Anspruch auf Realitätsnähe. So brechen die Autos in den Kurven schon 'mal nach bester Rally-Manier aus und lassen sich mit viel Gefühl - und ein wenig Glück - wieder fangen. Gefahren wird in "DTM" auf 38 internationalen Strecken. Zum Repertoire gehören sowohl Rundkurse wie Las Vegas oder Bristol, als auch waschechte DTM-Strecken wie der Hockenheim Ring. 42 Rennwagen wollen über die Piste gejagt werden, unter anderem der Mercedes Benz CLK und die Viper GTS.
Gegner gibt's in "DTM" viele: Neben der bei manchen Fahrzeugen "etwas" zu sensiblen Steuerung jagen 20 virtuelle Rennfahrer ihre Fahrzeuge über die Piste. Die Stärke der Gegner reicht von grottig bis übermenschlich. Kitzlige Haarnadelkurven scheinen in der Programmierung der künstlichen Intelligenz dezent ausgelassen worden zu sein: Mit qualmenden Reifen wird auf Schleichtempo heruntergebremst, so dass die Blechschlange in den Kurven sehr leicht überholt werden kann. Auf langen Geraden kommt es jedoch mehr als oft vor, dass plötzlich, wie aus dem Nichts, ein Fahrzeug an dem eigenen vorbeischießt. Keine Chance, den verlorenen Platz wieder aufzuholen.
Optisch ist "DTM" ein Leckerbissen. Detaillierte Texturen und Pixelshader lassen das Spiel in frischem Glanz erstrahlen. Ein ganz besonderes Highlight sind die Schadensmodelle der Autos. Was da nach einem Crash an Einzelteilen durch die Luft fliegt und auf der Strecke verbleibt, ist göttlich! Größtest Lob verdient der Split-Screen Modus des Arcade-Renners. Endlich an einem Rechner gegen einen realen Gegner fahren. So etwas sollte es bei ausnahmslos jedem Autorennspiel geben! Ebenfalls sehr schön ist der Netzwerk Modus von "DTM". Per LAN oder Internet geht's mit bis zu zwölf Spielern auf die Piste. Hierfür wird der Patch von http://www.codemasters.de/downloads/?downloadid=6662 benötigt.
Für den zweiten Teil der "DTM" Serie wäre ein wenig Feintuning an der Steuerung und eine größere Ausgewogenheit der Gegnerstärke angebracht. Sind diese kleinen Unstimmigkeiten bereinigt und wird darüber hinaus eine etwas vielfältigere und weniger durchschaubare Geschichte erzählt, so steht dem Aufstieg von "DTM" in die oberste Liga der Autorennspiele nichts im Wege. Absoluter Wunschtraum wäre ein "Destruction Derby" auf Basis der wunderschönen Grafik- und Schadensengine von "DTM".
DTM ist wahrlich kein Meister im Geschichtenerzählen. Dafür macht der Kampf um den Spitzenplatz eine Menge Spaß. Der Multiplayermodus ist besonders spaßig, weil hier - dank dem ausgefeilten Schadensmodell - schnell eine Menge Blech um die Ohren fliegt.