Getting Up: Contents under Pressure - Spielbesprechung

gettingup17Ataris “Getting up: Contents under Pressure”, das ist zum Einen eine Hommage an den Hip Hop. Eine Hommage an die Musik und die kreative Kraft der Subkultur. Zum Anderen jedoch ist „Getting up“ eine große Werbeveranstaltung für Produkte, die sich der Kultur bedienen, um Kohle zu schaufeln. Ob „Getting up“ den Spagat zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Kunst und Kommerz schafft, soll die folgende Review beleuchten.

<a href="/?q=gallery&amp;g2_itemId=2205"><img class="g2image_float_right" src="/galerie/main.php?g2_view=core.DownloadItem&amp;g2_itemId=2207&amp;g2_serialNumber=3&amp;g2_GALLERYSID=873d8b37b6a6734f383974ce36714b06" alt="gettingup17" title="gettingup17" width="175" height="131" /></a>Ataris “Getting up: Contents under Pressure”, das ist zum Einen eine Hommage an den Hip Hop. Eine Hommage an die Musik und die kreative Kraft der Subkultur. Zum Anderen jedoch ist „Getting up“ eine große Werbeveranstaltung für Produkte, die sich der Kultur bedienen, um Kohle zu schaufeln. Ob „Getting up“ den Spagat zwischen Genie und Wahnsinn, zwischen Kunst und Kommerz schafft, soll die folgende Review beleuchten.

gettingup1„The streets don’t care who you are“, wie der Rapper „Mad Skillz“ auf seinem Debut „From where ???“ 1996 so treffend propagierte. Die Straßen, also die Leute und das, was da draußen so abgeht, interessiert sich für gewöhnlich keinen Deut um dich solange, ja solange du dich nicht aus der Masse emporhebst und auf dich aufmerksam machst. Wie du auf dich aufmerksam machst, das ist im Grunde ziemlich egal. Hauptsache das Ergebnis stimmt.
In „Getting up“ geht es um den jungen Writer Trane. Es geht darum, wie ihm zu Beginn alle Welt, vor allem seine Großmutter, nahe legt, das aufzugeben, was sein Innerstes ist: das Sprühen. Etwas „vernünftiges“ solle er mit sich anfangen. Vernünftig bedeutet, er solle machen, was alle machen. Kurz: In der Anonymität der Großstadt untergehen.

gettingup2Doch Trane fährt sein Ding weiter; er macht sich von der Großmutter los, findet in einer verlassenen Kunstschule sein neues Zuhause und behauptet sich gegen rivalisierende Graffiti-Gangs. Zunehmend erntet er Respekt für das, was er macht. Und was er macht, macht er gut: Trane bombt die besten Plätze, wagt sich auf unsicherstes Terrain vor, um zu zeigen, wer der Boss auf der Straße ist. Doch Trane ist kein arroganter Neunmalklug, der bei seiner Sache über Leichen geht. Er kann zuhören und lässt sich von erfahrenen Writern Tipps geben.Schnell weitet sich der Kampf, der im Kleinen zwischen den Banden stattfindet, auf das Große aus. Trane bemerkt, wie der Bürgermeister Sung „seine“ Stadt indoktriniert und seinen Feldzug vor allem gegen die Graffitikultur führt. Warum sich der Bürgermeister von New Radius und seine Antigraffititruppe CCK so vehement gegen die Kunst auf den Wänden des Alltags einsetzt, das liegt in der Natur von Graffiti. Denn Graffiti sagt Meinung und kann sie an Plätzen vertreten, wo sich sonst nur Werbung hinschleicht.Letztlich gelangt Trane den Machenschaften des korrupten Bürgermeisters auf die Schliche und macht über seine Graffitis die Bevölkerung von New Radius auf den fiesen Bürgermeister aufmerksam.

gettingup13"Getting up“ ist innovativ und die Spielidee völlig neu und ungesehen, keine Frage. Zudem reisst „Getting up“ künstliche Schranken ein, die es eigentlich nicht gibt. Kaum war das Spiel auf dem Markt, so verkünden schon die Jugendschützer den Untergang des Abendlandes und warnen vor dem Jugendgefährdenden Potenzial von „Getting up“. Die Angst der Jugendschützer gipfelt darin, dass das Game in Australien keine Alterseinstufung erhielt, da Jugendliche zum Sprühen angeregt werden könnten (Nachzulesen hier: worldofhiphop.de). Ohne Alterseinstufung kann ein Spiel nicht auf dem Markt platziert werden, was einem Verbot gleichkommt – schöne neue Welt. Wirft man einen Blick auf die Alterseinstufung von GTA - San Andreas, das ab 15 Jahren in Kinderzimmern australischer Jugendlicher stehen darf, so fragt man sich doch ernsthaft, ob die oft selbsternannten Jugendschützer überhaupt etwas von ihrem Job verstehen. Von vernunftbegabten „Erwachsenen“ sollte man doch zumindest die Unterscheidung zwischen einem Toastbrot und einem Toaster erwarten dürfen.

gettingup16Warum also schlägt „Getting up“ solche Wogen? An dem Gameplay kann es nicht liegen. Sehr stark sieht und fühlt man „Getting up“ seine Herkunft aus der Konsolenwelt an. Die Kameraführung macht im Grunde, was sie will und ist sehr oft jenseits von gut und böse. Auch die Grafik ist schlecht, um nicht zu sagen eine Frechheit für heutige Möglichkeiten. Bei der Steuerung des Helden „Trane“ fliegt das Gamepad gerne mal aus Wut an die nächste Wand – zumal man die Steuerungstasten nicht selbst (um)belegen darf. Auch die profane und immerewige Werberei um Klamotten aus der Modekollektion von Marc Ecko kann stressen. Sprühdosen sind allesamt von der Marke „Montana“. Manchmal muss man beide Augen ganz fest zudrücken, um die ständige Produktplatzierung und Marketingpropaganda zu überstehen. Im öffentlich-rechtlichen Fensehen gibt’s dafür eins auf die Mütze.

gettingup7Weibliche Wesen kommen in „Getting up“ selten vor und wenn, dann in halterlosen Strümpfen, HighHeels und Röckchen. Das ist völlig überzogen, definitiv zu einseitig und unreflektiert-klischeehaft. Ganz bestimmt existieren da draussen einige Chicas in der Writer-Szene, die sich ungern in einem Computergame durch eine 08/15-NuttieTüsschen repräsentiert sehen wollen.

Zu guter Letzt muss noch vor der dümmlichen künstlichen Intelligenz der Computergegner gewarnt werden – Ein Toastbrot kann es intellektuell locker mit denen aufnehmen.

gettingup5Kompromisslos auftrumpfen kann „Getting up“ allein beim Soundtrack. In der Tracklist finden sich gut ausgewählte Songs, die Hip Hop affine Herzen höher schlagen lassen. Neben Tracks von Eric B and Rakim , Del The Funky Homosapien , Big Mama Thorton oder Roots Manuva mögen an dieser Stelle besonders Mobb Deep erwähnt werden, die mit ihrem Mittneunziger Track „Shook ones Part 1“ bei „Getting up“ unterwegs sind. Der Beatbomber MF Doom sorgt für den knackigen Rumms auf den Boxen und ein kleiner Abstecher zur englischen Band Bloc Party rundet das Ganze zuckersüß ab. Schnell wird klar: Bei der Trackauswahl waren Leute unterwegs, die ihr Handwerk verstehen und weit über den Tellerrand derzeitiger Diss-HipHop-Murkserei schauen.

gettingup11Das Gameplay ist simpel und schnell erklärt: orangene Kreuze markieren primäre Ziele, die Trane erledigen muss, damit die Story vorangetrieben wird. Blaue Kreuze markieren Ziele, die Trane erledigen kann, jedoch nicht muss. Sie bringen ihm Ansehen bei seinen Writer-Kollegen. Jede Mission besteht aus einer Anzahl an Primärzielen, die abgehakt werden wollen, damit es weitergeht. Hängen bleibt man selten bei „Getting up“. Manchmal macht einem jedoch die anstrengende Kameraführung und die frickelige Steuerung das Leben zur Hölle. Klare Geschmackssache ist die Kämpferei gegen unzählige Computergegner. Hier wird nicht - wie vielleicht bei einem Graffitigame erwartet - verbal, oder über Graffiti argumentiert, sondern die Kauleiste des Gegenüber mit Waffen wie der guten alten Holzplanke poliert. Das kann Spaß machen, muss es aber nicht.

gettingup20Ganz klar ist, dass „Getting up“ thematisch die Zockwelt spaltet. Wer in seinem Herzen keinen Platz für Graffiti hat, der ist mit „Getting up“ falsch bedient. Solche Leute haben gewöhnlich für Graffiti nur ein Wort übrig: „Schmierei“.

Wer jedoch nach Herzenslust Trane durch zahllose Kämpfe mit gegnerischen Gangs und der Polizei führt, wer Spaß daran hat, Plätze mit Graffitis vollzubomben, die jegliche Phantasie sprengen, wer Spaß an Jump and Runs hat, der, oder die, wird an „Getting up“ große Freude haben. Das Spiel ist nicht der herausragende Überknaller, aber auch nicht grottenschlecht. Bei der Fortsetzung, „Getting up 2“ also bitte weg von der Konsole, das Spiel mit einer guten Grafik ausstatten, eine selbst belegbare Steuerung einbauen, die nervtötenden Kameraschwächen beseitigen und der Laden läuft.

gettingup18Doch zurück zu der ürsprünglichen Frage. Warum schlägt ein Computerspiel solche Wellen? Warum wird „Getting up“ sogar auf einem ganzen Kontinent verboten? Unter uns: Es ist die Angst vor dem Individuellen. Die Angst davor, nicht mehr Herr über den grauen Betonklotz zu sein. Die Angst, Eigentum durch Farbe abspenstig gemacht zu bekommen.Wenn man ein Spiel behandelt, als wäre es bereits zu Realität manifestiert, dann, ja dann hat man eine Menge Angst.

Wertung
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7
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Ganz ehrlich: Man hätte mehr erwarten dürfen von dem Skandalgame des frühen 2006. Die Idee ist nett und frisch, die Story brauchbar. Die nervtötende Steuerung jedoch und die schlechte Grafik werfen die Frage auf, warum &quot;Getting up&quot; für PC keine Frischzellenkur bekommen hat, bevor es den Markt stürmte.

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6

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Auf einen Blick: Die Wertung
Grafik
5
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Ganz ehrlich: Man hätte mehr erwarten dürfen von dem Skandalgame des frühen 2006. Die Idee ist nett und frisch, die Story brauchbar. Die nervtötende Steuerung jedoch und die schlechte Grafik werfen die Frage auf, warum &quot;Getting up&quot; für PC keine Frischzellenkur bekommen hat, bevor es den Markt stürmte.

Sound
7
Steuerung
4
0
Atmosphäre
7
Motivation
7
Bunnyfaktor
5

Kommentare

ich muss sagen dass eine solche kritik eigentl. nur von graffiti interessierten leuten geschrieben werden dürfte da dieses speil nicht nur aus dieser szene kommt sondern auch dort geblieben ist . mich persöhnlich erfüllt die atmosphäre von dunklen hinterhöfen und dem aufstieg eines jungen writers mit freude spass und purer lust zum gameplay . werkeine ahnung hat sollte nicht von der urbanen szene reden da diese prinzipien hat die diese kultur überhaupt am leben halten.
....
1412pk

es geht aber darum ein PC-Game zu bewerten, sodass alle etwas davon haben, und die wenigsten kaufen ein solches wegen der authentischen Darstellung der Graffiti-Szene. Als Action-Spiel muss es sich mit der gesamten GTA Reihe messen und so ist es nach einem bestimmten kriterium auch zu werten. Ich finds eine Frechheit zu behaupten man hätte keine Ahnung, denn diese Rezension hatte es nie zum Ziel das Spiel als "Graffiti-Großstadt-Simulation" zu bewerten. Eigentlich eine peinliche Vorstellung.

Liebe(r) 1412pk,

wohl keine Subkultur wurde in den vergangenen Jahren so vom Kommerz vereinnahmt, wie Graffiti - ich erinnere nur daran, wie vor kurzem eine ganze Mauer mit einem Piece von Banksy abgemeißelt wurde (http://theworldsbestever.com/2009/01/12/banksy-j...), ganz einfach, weil sich jemand ein Stück gekaufte Identität in seine Wohnung / Galerie stellen will. Bei "Marc Ecko's Getting Up: Contents under Pressure", einem Spiel, das den Namen "Marc Ecko" (u.a. die Marken *eck? unltd., Zoo York, usw. usw.) im Namen trägt - und stellenweise wie eine Verkaufsveranstaltung für Malzubehör von "Montana" und Klamotten - rüberkommt, von "urbaner Szene" zu sprechen, halte ich für bisserl zu viel des Guten.
Wenn Du eine andere Sicht der Dinge hast, erklär' sie mir in Deiner eigenen Rezension - bin gespannt!
Hättest Du meine Besprechung tatsächlich gelesen, anstatt - wie's scheint - nur die Wertungsbox anzuschauen, so hättest Du auch eine Idee von meiner Meinung von Graffiti.

@Crickethill: Kein Grund für Grabenkämpfe! Bei so einer Rezension geht's um die Besprechung von Computer- und Konsolenspielen, nicht um Krieg und Hunger auf der Welt und noch so harten Tobak.
Wenn da jemand eine andere Meinung hat - und das auch begründen kann (und will) -, dann ist das voll und ganz ok. ;)

xD ich bin eher durch Zufall über den Artikel gestossen ... wobei ich sagen muss das Game erinnert mich ein bissen an mirrors edge... aber egal

was ich sagen wollte ist wie kann mann sich über ein Artikel von 2006 3 Jahre später aufregen bzw. Diskutieren...

wobei ich ein Lob aussprechen muss das die Admins/Moderatoren(oder was auch immer ihr seid ^^) so schnell geantwortet habt...

gruß Basti/Konsolero82

Hi,

naja, man redet ja auch noch über Filme, die mehr als drei Jahre auf dem Buckel haben, insofern finde ich die Diskussion älterer Spiele - wenn sie denn sachlich und konstruktiv geführt wird - völlig gerechtfertigt. ;)