Sechs Kampagnen bietet "Medal of Honor: Airborne": Ob im klassischen D-Day Setting an der Französischen Küste, dem Straßen- und Häuserkampf im zerbombten Nimwegen oder hinter feindlichen Linien im Ruhrpott - bei "Airborne" geht an vorderster Front kräftig die Post ab. Leider wartet der neunte Teil der "Medal of Honor" Reihe nicht mit frischen Ideen, sondern einzig mit lauwarmer Fertigkost auf: Da werden Gegner getötet wie am Fließband, feindliche Basen erobert, gegen Panzer angekämpft, den Kameraden beim Sterben zugeschaut und alles aalt sich im schmierigen Saft der Schmalzpathetik.
Schmalzerei
Vor jeder Mission stimmt "Airborne" mit schwer intellektuellen Zitaten wie "Was uns teuer ist kann nur durch Opfer bewahrt werden (Private David Webster)" oder "Es gibt nichts schöneres als den Ruck, wenn sich der Fallschirm öffnet (Sergeant Edward Barnes)" auf die Schlachtfeldstimmung ein. Auf dem Schlachtfeld selbst wird dann auch ordentlich brüderlich gestorben. Da eilt der treue Mitstreiter einem angeschossenen Kameraden zur Hilfe, obwohl er weiß, dass seine Hilfe nutzlos ist und er in den sicheren Tod rennt - da geht "Airborne" mit zu viel Pathos ans Werk.
Per Fallschirm ins Kampfgeschehen
Neu sind in "Airborne" einzig die ersten Minuten der Missionen: Nach der Lagebesprechung geht's zu Beginn jedes Einsatzes per beeindruckendem Fallschirmsprung aufs umkämpfte Schlachtfeld. So lässt sich gleich zu Beginn jeder Mission ein Überblick aus der Luft über das Geschehen gewinnen und taktisch sinnvolle Positionen auf den Dächern der Stadt beziehen, von denen aus die gegnerischen Soldaten mit gezieltem Schuss ins Jenseits befördert werden können.
Dumm-Dumm-Geschoss
Verwunderlich aber, dass das digitale Jenseits nicht aus allen Nähten platzt: Sowohl Gegner, als auch Mitstreiter sind so hohl, dass man am liebsten während der Kämpfe die Picknickdecke auspacken und sich ein gemütliches kleines Päuschen gönnen würde. Anstelle einer künstlichen Intelligenz hat das Kanonenfutter, das durch die Szenerie von "Medal of Honor: Airborne" kreucht und fleucht wohl nur Wackelpudding im Hirn.
Dünne Handlungsfädchen
Audiovisuell exquisit umgesetzt (es kracht an allen Ecken, explodiert, dass es einem vom Computerstuhl wirft), bannt "Airborne" nur durchgekaute Kampfatmosphäre auf den Monitor. Tiefgang und eine ansprechende Story sucht man im Spiel vergebens. Die Missionen sind mit dünnen Handlungsfädchen zusammengeknüpft und bereits nach wenigen Stunden flimmert der Abspann über den Monitor. Auch der Multiplayermodus kann das Spiel nicht aus der Mittelmäßigkeit emporheben. Hier gibts nur Standardkost wie Deathmatch- oder Eroberungsmodi auf wenigen Maps.
Audiovisuell sehr gut umgesetzter WW II Shooter ohne Tiefgang.