Fuhr es sich in NFS: Underground immer auf denselben Strecken durch immerdieselbe Stadt mit immerdenselben (nicht gerade intelligenten) Gegnern, so geht es jetzt in NFS: Underground 2 richtig zur Sache. "Bayview" heisst die Metropole, auf dessen verwinkelten Straßen knackige Rennen stattfinden. Anders als im Vorgänger, wo man sich einen guten Teil der Spielzeit in Menüwüsten aufhielt, um den Wagen zu tunen oder Rennen zu vereinbaren, geht es in Underground 2 direkt auf die Piste. In freier Fahrt wird die Stadt ausgekundschaftet. Um Autos zu kaufen, zu tunen oder optisch aufzumotzen, müssen die entsprechenden Shops erst einmal entdeckt werden. Das nötige Kleingeld liefern Straßenrennen mit herumstreunenden Konkurrenten oder abgemachte Vollwert-Rennen durch Bayview. Oft liegt das Geld auch einfach auf der Straße und will eingesammelt werden. Für Orientierung in der großen Stadt sorgt eine Minikarte am linken unteren Bildschirmrand, die alle Rennen und Shops vermerkt und auf Knopfdruck vergrößert werden kann.
NFS: Underground 2 wartet mit ungeahnten Möglichkeiten auf. Neben der riesigen Stadt, von der nach und nach weitere Teile freigespielt werden, lassen vor allem die Tuningmöglichkeiten der Autos Kinnladen herunterklappen. Dutzende Kisten, vom Ford Focus über den massiven "Hummer", bis hin zum Audi TT stehen bereit, die mit einem schier unerschöpflichen Arsenal an Tuningzubehör aufgemotzt werden wollen. Nach kurzer Spielzeit hat Underground 2 große Ähnlichkeit mit einem Rollenspiel: Noch schnell das Auto umlackieren, den verbesserten Nitro rein und mit dem neuen Turbolader auf die Piste. Es macht ungeheuren Spaß, das Schätzchen "wachsen" zu sehen und mit immer neuen und lizensierten Originalteilen aufzurüsten. Für großen Spielspaß sorgen abwechslungsreiche Rennmodi wie Beschleunigungs-, Sprint-, Driftrennen oder Wettkämpfe auf Rennstrecken der "Underground Racing League".
Nach der augenquälend bunten Grafik des Vorgängers wirkt die Grafik in Underground2 ausgewogen. Hohe Geschwindigkeiten werden nun mit einem viel dezenteren Weichzeichnereffekt untermalt; die Stadt wirkt bunt, aber nicht mehr so völlig schlecht überzogen wie im ersten Underground-Teil. Gefahren wird in Underground 2 erneut nur nachts, was mit dem vorhersagbar auftretenden Regen und der schlampigen KI sowohl der Computergegner als auch des Straßenverkehrs, den wunderbaren Gesamteindruck trübt.Wenig fehlt Underground 2, um das Niveau der herausragenden Non-Underground zu erreichen. Spendiert Electronic Arts dem Nachfolger zu Underground 2, "Need for Speed: Most Wanted", der Szenerie einen Tagesmodus, schraubt an der künstlichen Intelligenz der Kontrahenten und fügt dem Ganzen noch ein paar Cops hinzu, so steht einem neuen hochkarätigen Need for Speed nichts im Wege.