Games Convention 2007: Faszination Computerspiel verstehen

Games Convention 2007 LogoDas Jahr 2002 ist ein besonderes Jahr für Computerspiele und Spieler. Zum ersten Mal findet die Games Convention in Leipzig statt. Zu diesem Zeitpunkt gilt die Messe als Ersatz für die CeBit home, die darauf angelegt war, lästige Freizeitbesucher von der CeBit weg zu locken. Innerhalb von fünf Jahren etabliert sich die Games Convention von einer Messe mit Nischen-Zielgruppe zu einem Publikumsmagneten. Als Party-Event gestylt, tummeln sich vor allem junge Besucher auf dem Messegelände. Der spießige Besucher wird sich fragen, ob er es wirklich mit einer Messe zu tun hat oder eher mit einem Open Air Festival. Das Publikum ist jung und bunt und liegt jenseits aller Anzugklassik und Krawattenseide. Spätestens jetzt wird klar, dass nicht nur Freaks spielen, sondern sehr viele – vor allem Jugendliche.

Games Convention 2007In den Augen einer Menge Erwachsener / Eltern leuchtet nun eine Signallampe: Sie sehen bereits ihre Tochter oder ihren Sohn stundenlang vor dem Bildschirm abhängen, ohne Motivation Hausaufgaben zu machen, sich mit Freunden zu treffen oder Sport zu treiben. Dieses Klischee ist vor allem Medien zu verdanken, die schnell Ursachen finden wollen, um Amokläufe (z.B. Erfurt) zu rechtfertigen. Es ist einfach, mit einem Medium zu argumentieren, statt mehrere Faktoren zu beleuchten, die einen Jugendlichen zu einer solchen Tat führen.
Doch weil genau dieses Bild in den Köpfen der Gesellschaft ist, hat sich die Games Convention in Halle fünf zum Ziel gesetzt, Aufklärungsarbeit zu leisten und das Thema Computerspiele vielschichtiger zu reflektieren. Natürlich wäre es für einen Messeveranstalter fatal, sich die Kritiker ins Haus zu holen, aber selbst die Bundesregierung hat ein Interesse daran, Aufklärungsarbeit zu leisten, statt Fronten zwischen Jugendlichen und ihren Eltern aufzubauen.

Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ist mit einem eigenen Stand vertreten, ebenso die Kommission für Jugendmedienschutz oder das Institut für Medienpädagogik u.a. Im Bildungsforum werden Info- Veranstaltungen für Eltern, Lehrer und Erzieher angeboten. In einem fast einstündigen Vortrag klärt der Medienpädagoge Wolfram Hilpert darüber auf, wie wichtig es ist, dass Eltern auf das Spielverhalten ihrer Kinder reagieren. Er legt seinen Schwerpunkt auf das Verstehen. Denn nur wenn Eltern oder Pädagogen versuchen, die Faszination des Mediums nachzuvollziehen, ist ein erster Schritt zur Verständigung im Kinderzimmer getan. Für viele Eltern ist es schwer zu beurteilen, welche Spiele für ihr Kind geeignet sind, da sie selber keine Computerspiele nutzen. Hilpert rät, sich in solchen Fällen an die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) zu halten.
Games Convention 2007 - USKDie USK staffelt sich in fünf Alterskennzeichen und ist auf jeder käuflichen Software verzeichnet. Tochter oder Sohn werden nun stöhnen, denn die wirklich spannenden Spiele liegen vielleicht nicht in ihrer Altersklasse. Doch auch hier sollten sich die Eltern nicht sperren. Aus pädagogischer Sicht ist es sinnvoller in einem solchen Fall lieber mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, da Verbote meistens ignoriert werden. Eltern besitzen nach dem Jugendschutzgesetz ein Erziehungsprivileg. Das bedeutet, dass sich Eltern nicht strafbar machen, wenn sie ihren Kindern Medien anbieten, die nicht im angegebenen USK Bereich liegen. Eltern sollen Medienkompetenz vermitteln und selber beurteilen, was sie ihren Kindern zutrauen. Lässt man die 13-jährige Tochter oder den Sohn ein Spiel spielen, das ab 16 freigegeben ist, sollten die Eltern sich auf jeden Fall selbst an den PC bzw. die Konsole setzen und die Software mit Filia oder Filius antesten. Zudem ist es wichtig, Zeiten festzulegen, die zum spielen genutzt werden dürfen. Dabei sollte man berücksichtigen, dass es nervt, wenn gerade eine spannende Spielsequenz nur wegen der Zeitbeschränkung unterbrochen werden muss. Besser ist es, ein Spielende zu einem sinnvollen Zeitpunkt zu ermöglichen, damit kein Frust aufkommt.

Berücksichtigt man diese wenigen Anhaltspunkte und beschränkt sich nicht auf sinnlose Verbote, kommt man seinem Kind einen Schritt entgegen, denn gerade in der Adoleszenz gibt es genügend andere Probleme, die Aufmerksamkeit beanspruchen. Computerspielen und Internet Recherche sind Kulturtechniken wie lesen und schreiben. Sie müssen reflektiert, gefördert und erlernt werden. Auch für Lehrer und Erzieher ist es deshalb absolut sinnvoll, sich den Interessen der Schüler zu widmen. Diskutiert die Klasse über Spiele, die in den Medien verrissen werden (z.B. „Killerspiele“), kann nebenbei Argumentationsverhalten trainiert werden. Zudem können Themen wie Rollenklischees, Gewalt, Freundschaft, Wirtschaft oder Liebe anhand von Spielen erörtert werden und interessieren Schüler mehr, weil das Medium bekannt und beliebt ist.

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