In Fifa06 hat sich viel geändert. Besonders in Sachen Gameplay hat sich Fifa06 völlig gewandelt, was wohl auch an dem letztjährig erschienen Pro Evolution Soccer liegt. Viele Elemente sind vom Konkurrenten, der für manche vor einem Jahr das bessere Fußballspiel wurde, abgeguckt. Beispielsweise wird bei Fouls der Vorteil abgewartet oder die Richtung von Eckbällen wird nun wieder mit Pfeilen dargestellt. Doch auch das Gameplay ist sehr an dem Konkurrenten PES orientiert, was sich allerdings in Fifa06 als sehr gute Neuerung herausstellt. Fifa06 kann vermutlich als ein neuer Innovationsblock gelten, wie auch bei früheren Spielen der Serie ist es beinahe schon üblich, dass erst das Spiel nach der Innovation wieder ein sehr gutes Gesamtbild abgibt. So waren Fifa 2003 oder Fifa 2005 „rundere“ Produkte als die jeweiligen Titel davor. So gibt es auch an Fifa06 einige Kritikpunkte die dann zu einer hoffentlich perfekten Fifa07 Version führen. Phasenweise macht Fifa06 noch einen sehr unreifen Eindruck mit Fehlern und Ärgernissen die manchmal den Spielspaß etwas trüben.
Doch in der Summe liefert auch Fifa06 schon eine Menge Spielspaß und Motivation die Neuheiten und Feinheiten zu entdecken und sich mit dem Spiel vertraut zu machen. Durch das sehr gelungene Intro ist das Bedürfnis, sich direkt ins Spiel zu stürzen, schnell erzeugt. Keine gerenderten Spielfiguren sondern TV Ausschnitte aus Fußballspielen machen Lust auf das erste Match. Nach dem ersten Überblick in den Menüs und dem Genuss des gewohnt stilsicheren Soundtracks, der garniert mit Originalkommentaraufnahmen großer Fußballszenen ist, geht es dann endlich auf das saftige Grün. In den ersten Spielen fällt die neue Steuerung schwer, die Figuren bewegen sich etwas schwerfälliger, die Abwehspieler holen Stürmer schneller wieder ein und Flanken müssen besser getimed werden. Erfahrene Fifa-Spieler sind jedoch relativ schnell wieder vertraut mit dem Spiel und können den Schwierigkeitsgrad fix auf das gewohnte Weltklasse-Niveau setzen. Hier sind die Spiele dann auch gegen den Computergegner wieder schön ausgeglichen und eine Meisterschaft oder ein Turnier erhält genügend Spannung. Im Managermodus kann der Spieler, wie im Vorgänger, eine Trainerkarriere starten. Innerhalb von 15 Jahren können hier Pokale in allen möglichen Ligen gesammelt werden und dadurch Specials im Hauptmenü frei gespielt werden, meist handelt es sich um Spielerbiographien von Fußballlegenden.
Die Kritikpunkte an Fifa06 die den oben beschriebenen unreifen Eindruck aufkommen lassen sind sehr vielschichtig. Schon im Menü beginnt es mit umspringenden Menüelementen. So tauschen manche Menüpunkte alle paar Sekunden, was während des durchschalten der Team-Formation nervig wird. Die Trikotauswahl ist nun vor dem Spielstart festzulegen, was dadurch gerne mal vergessen wird und dann dazu führt, dass im Spiel rot-weiß gegen weiß-rot spielt. Einmal auf dem Rasen angelangt sülzt in gewohnt unbeteiligter Art das Migräne Duo Thomas Herrmann (DSF) und Patrick Wasserziehr (Premiere) dem Spieler die Ohrmuscheln voll. Leider scheint es auch nicht möglich zu sein die Kommentatorensprache gesondert von der Menüsprache umzustellen, aber immerhin ist auf der DVD genügend Platz für andere Sprachversionen und so kann wenigstens der englische Kommentar genossen werden. Beim spanischen oder italienischen Kommentar wird es dann aber schon schwer, da die Menüs ebenfalls die Sprache annehmen, aber nach einiger Zeit weiß ein Spieler wo im Menü was zu drücken ist. Leider wurde von Pro Evolution Soccer auch die Freistoss- und Eckensteuerung übernommen. Es gibt also kein Fadenkreuz und Ball anschneiden mehr, sondern ein undefiniertes Steuerkreuzdrücken in der Hoffnung einen Treffer zu landen. Das Schusshandling im freien Spiel ist auch etwas suspekt, gerade beim Lauf auf den Torwart scheint es egal ob nun viel oder wenig Kraft verwendet wird, im Zweifelsfall wird beides gehalten. Ist es dann doch gelungen ein schönes Zaubertor zu erzielen gibt es die nächste Überraschung in der Replayfunktion. Möchte man dieses speichern können nur 6 Zeichen verwendet werden, wie aber soll der Spieler „Halbfeldflanke Fallrückzieher unter die Latte gedroschen“ sinnvoll auf 6 Zeichen reduzieren?
Bei den beschriebenen Kritikpunkten darf aber trotzdem nicht vergessen werden, dass Fifa06 richtig viel Spaß macht! Die neuen Feinheiten in der Steuerung ermöglichen wieder schöne Kombinationen, so kann nun ein Pass für einen besser postierten Hintermann durchgelassen werden, oder eine Körpertäuschung gesetzt werden. Doppelpässe gehen einfach von der Hand, die neue Funktion „Ball halten“ sichert die Murmel auch in Bedrängnis für einige Sekunden. Die kontroverse Diskussion über „Off the Ball“ ist mit Fifa06 Geschichte, denn diese Funktion ist nicht mehr vorhanden, erhalten bleibt aber die sinnvolle „First Touch“ Steuerung mit der vor der Ballannahme die „Verarbeitungsrichtung“ definiert wird. Zu den neuen Steuermöglichkeiten gibt es auch Neuheiten im Taktikbereich, so kann vor dem Spiel schon eine Manndeckung für bestimmte gegnerische Spieler eingestellt werden und im Spiel taktische Anweisungen wie Kontern oder Pressing durch den Controller direkt ins Spiel eingebunden werden.
Fifa06 ist dem fußballinteressierten Publikum absolut zu empfehlen, sowohl als Einsteiger, als auch als alter Hase sind spannende Spiele möglich. Die Steuerung geht mit der Zeit immer leichter von der Hand und die Optik ist gewohnt solide. Manche Punkte sind definitiv Überarbeitungswürdig (erster Patch ist bereits erschienen) aber im Herbst 2006 nach der Weltmeisterschaft in Deutschland dürfte Fifa07 erscheinen und hoffentlich wieder ein Gesamtbild abgeben bei dem die Zweifler und Pro Evolution Jünger sich zurück besinnen müssen auf den guten alten Kumpel und Weggefährten ... Fifa Football.
Fifa06 macht Spaß, richtet sich aber in Teilen zu sehr an Pro Evolution aus.