Einmal angedacht, Außerirdische würden eines milden Tages unserem blauen Planeten einen Besuch abstatten, um auf ein Käffchen bei uns vorbeizuschauen. Nach dem flüchtigen Blick in den DVD-Schrank würden sie wohl sofort auf dem Absatz kehrt machen, in ihre Raumschiffe steigen und sich schleunigst verdünnisieren. Ich würde das, wäre ich ein Alien, zumindest tun. Bei dem Bild, das Literatur und Film von den ballonköpfigen asozialen Wesen von Gamma-Phi9 zeichnen, läuft’s wohl jedem Außerirdischen eiskalt die Wirbelsäule – sofern vorhanden – herunter.
Der menschliche Körper, ein tolles Teil
Auch „Prey“ nötigt Aliens zum Packen der Rücksäcke. Dort kommen eines Nachts Außerirdische in ihren fliegenden Untertassen angebraust, um die Erde unter ihre Fittiche zu nehmen. Der Grund für die Invasion: Menschen sind ein hochgeschätzter Grundbestandteil außerirdischen Lebens. Ob als Treibstoff, Dünger, Nahrungsmittel oder Knabbergebäck für die nächste Party – der menschliche Körper ist aus Sicht der Aliens ein tolles Teil, das gemütlich weiter verarbeitet werden kann. Alles locker und flockig, doch haben die außerirdischen Wesen die Rechnung ohne Tommy gemacht.
Ein Leben außerhalb des Indianerreservates
Tommy ist ein frustrierter Automechaniker, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein neues Leben außerhalb des Indianerreservates zu beginnen, in dem er schon seit seiner Geburt lebt. Sein Indianerherz schlägt für seine Freundin Jen, die Tag für Tag in der Kneipe ihrer Familie hinter der Theke schuftet, sich jedoch kein Leben mit Tommy außerhalb ihres bisherigen Alltags vorstellen kann, so sehr Tommy sie auch zu überreden und von einem Leben fernab des Reservates zu überzeugen sucht.
Das Innere eines gewaltigen Raumschiffes.
Als die Außerirdischen mit ihren Fluggeräten auf der Erde erscheinen und nach und nach die gesamte Erdbevölkerung einsammeln, hat Tommy bereits seine Zukunft geschrieben. Mit einer Rohrzange erschlägt er zwei aufdringliche Gäste in der Kneipe. Doch diese Tat ist Schall und Rauch dank der Ereignisse, die nun geschehen. Durch die Fenster dringt grünes Licht, plötzlich reißt das Dach weg - nein, es dematerialisiert sich langsam und verfällt in seine kleinsten Teile. Strahlen der Aliens ziehen Tommy, seinen Großvater und die geliebte Jen in das Innere eines gewaltigen Raumschiffes.
Die Rettung der Menschheit
Dunkelheit. Tommy öffnet die Augen, schaut nach unten: Die Erde. Er befindet sich in luftiger Höhe, kilometerhoch über dem Heimatplaneten. Seine Liebsten und er, sie sind bewegungsunfähig gemacht, eingesperrt in Apparaturen der Außerirdischen. Doch es gelingt Tommy, sich aus den Fängen der Außerirdischen zu befreien und so tritt er seinen Weg an, die Menschheit zu retten. Dabei kämpft er sich mit außerirdischen Waffen vom Feinsten und mystischen indianischen Fähigkeiten gegen unzählige Gegner und nutzt Portale, die ihn an ferner Stelle wieder ausspucken.
Ein Loblied
1995 wurde „Prey“ erstmals angekündigt. 2006 schließlich veröffentlichten Human Head Studios und 3D Realms das gute Stück Software. Und es kann sich sehen lassen, was da lange gärte. „Prey“ stellt mit seinen Portalen die gewöhnliche Wahrnehmung auf den Kopf und beeindruckt mit einer packenden Story, die nur wenig Zeit zum Luft holen lässt. Endboss für Endboss fällt wie in einem delirischen Fiebertraum, bis Tommy im kathartischen Ende bereits neuen Abenteuern entgegen sieht – ein Loblied auf Prey 2, ein Loblied auf den Spielspaß!
Sehr ausgefeilter Shooter für erwachsene Spielerinnen und Spieler.