Baphomets Fluch 4: Der Engel des Todes - Eindimensionales 3D

baphomets_fluch_engel_001997 feierte die Adventure-Reihe „Baphomets Fluch“ die Veröffentlichung seines zweiten Teiles und seinen einjährigen Geburtstag.
Viel Wasser ist bis zum vierten Teil, „Der Engel des Todes“ (2006), den Rhein herunter geflossen. Die verstrichenen Jahre machten aus der zweidimensionalen Darstellung eine dreidimensionale und fügten der Baphomets Fluch Reihe Schiebe- und Klettereinlagen bei.
Baphomets Fluch 4 hätte die Abenteuerreihe um George und Nico wieder auf alte Kulthöhen heben können, scheitert aber an einer lausigen Steuerung und der halbgaren Umsetzung einer spannenden Story.

<a href="/?q=hochstapler/baphomets-fluch-4/baphomets-fluch-4-der-engel-des-todes-eindimensionales-3d"><img class="g2image_float_right" src="/galerie/main.php?g2_view=core.DownloadItem&amp;g2_itemId=2101&amp;g2_serialNumber=4&amp;g2_GALLERYSID=873d8b37b6a6734f383974ce36714b06" alt="baphomets_fluch_engel_00" title="baphomets_fluch_engel_00" width="175" height="124" /></a>1997 feierte die Adventure-Reihe „Baphomets Fluch“ die Veröffentlichung seines zweiten Teiles und seinen einjährigen Geburtstag.<br />Viel Wasser ist bis zum vierten Teil, „Der Engel des Todes“ (2006), den Rhein herunter geflossen. Die verstrichenen Jahre machten aus der zweidimensionalen Darstellung eine dreidimensionale und fügten der Baphomets Fluch Reihe Schiebe- und Klettereinlagen bei.<br />Baphomets Fluch 4 hätte die Abenteuerreihe um George und Nico wieder auf alte Kulthöhen heben können, scheitert aber an einer lausigen Steuerung und der halbgaren Umsetzung einer spannenden Story.

baphomets_fluch_engel_11Wer kennt sie nicht, diese Adventures, die sich einem mit dem Holzhammer entgegenstellen und mit sinnbefreiten Unterhaltungen und Handlungen das letzte Quäntchen Frohsinn aus einem herausprügeln.
Würde Kommunikation im Alltag nur ansatzweise so ablaufen wie in so manchem Abenteuergame, es wäre eine seltsame Welt. Voll von mysteriösen Dialogen wie dem Folgenden:
„Heinz, bringst Du mal bitte den Müll raus?“
„Das mache ich nicht.“
„Komm schon, Heinz.“
„OK. Der Müll befindet sich in einer Plastiktüte. Die Plastiktüte halte ich fest in der Hand. Ich kann die Tür nicht öffnen ---“.
„Dann stell’ die Tüte doch einfach ab und öffne die Tür.“
„Ich stelle die Tüte auf den Parkettboden, hebe meine Hand und öffne die Tür – geht nicht!“
„Du musst sie runterdrücken.“
„Das funktioniert nicht.“
„Du sollst ja auch nicht die Tür herunter drücken, sondern die Türklinke, du Leuchte.“
„Ich drücke die Türklinke herunter. Nanu! Die Tür öffnet sich.“
„Herzlichen Glückwunsch!“
„Bis gleich, ich bringe schnell den Müll nach draußen.“
Klack, klack, sich entfernende Schritte.
„Du hast den Müllsack vergessen.“
„BITTE?!?“
Innerer Monolog: „Ich stehe im Hausflur, kann nicht verstehen, was sie sagt – was mache ich nun? Oh, ich habe eine Idee.“

Nach adventuretypischer Kommunikation folgt nun die Aktion. Heinz steht im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses und versteht seine Angetraute nicht. Wie wird er handeln? Einfach wieder nach oben stiefeln, um sein Herzblatt noch einmal zu bitten, das Gesagte zu wiederholen, funktioniert nicht: Maurer haben in der Zwischenzeit den Weg in die oberen Stockwerke zugemauert. Heinz muss also beweisen, dass die Melone auf seinem Hals nicht ausschließlich der Dekoration dient und sich eine Lösung für das Problem ausdenken.

Feinster Gelsenkirchener Barock

baphomets_fluch_engel_17Er klingelt bei der Nachbarin. Ein Großmütterchen öffnet die Türe und schüttelt den Kopf. In ihrem Ohr schimmert etwas – ein Hörgerät?
„Ja? Was ist los“, schreit sie in den Hausflur. Heinz räuspert sich und schaut im Inventar nach. Dort findet sich eine Schrankwand (feinster Gelsenkirchener Barock), ein Golfschläger, eine Sofagarnitur und eine Banane. Heinzens Idee: Um an die Hörhilfe zu kommen, muss das Ömchen auf der Bananenschale ausrutschen, damit ihr das Hörgerät aus dem Ohr fällt, so dass Heinz besser hören, seine Torte wieder verstehen kann und möglicherweise in China ein Sack Reis umfällt durch den Flügelschlag eines Schmetterlings. Gesagt getan. Heinz benutzt die Banane mit dem Treppenflur. Nach etlichen „das funktioniert doch nicht“, „so geht das nicht“ und „die Bananenschale umhüllt noch etwas“, kommt Heinz auf die ausgefuchste Idee, die Banane zu pellen und das Innenleben zu essen.

Kukident-Express

baphomets_fluch_engel_31Heinz legt die Bananenschale auf den Boden. Der Versuch, das Großmütterchen über die Banane zu ziehen, damit sie ausrutscht, funktioniert nicht (Heinz: „sie könnte sich verletzen“). Also stellt Heinz die Sofagarnitur hinter die Oma, rattert den Kukident-Express über die Schale, so dass Ömchen mit einem zarten „hups“ auf das Sofa fällt. Bei diesem Sturz fliegt ihr natürlich das Hörgerät in hohem Bogen aus dem Ohr. Heinz fängt die Hörhilfe auf, packt sie in sein Inventar, schiebt Großmütterchen mitsamt Sofa in ihre Wohnung (JEDES Adventure braucht mindestens ein Schieberätsel), schließt die Türe und unterstützt mittels Hörgerät sein Hörorgan.

Beredtes Handeln

baphomets_fluch_engel_36„WAS HAST Du gesagt?“ ruft er laut in den Treppenflur. „Der Müllsack – Du hast ihn oben vergessen. Du wolltest doch den Müll rausbringen.“ Heinz erinnert sich, stapft nach oben und überwindet das Mäuerchen, indem er die Schrankwand vor der Mauer aufbaut, an ihr empor klettert und letzte Ziegel mit dem Golfschläger zertrümmert. Wieder in den eigenen vier Wänden angekommen, schnappt sich Heinz den Müllsack: „Oh, danke. Ich beuge meinen Oberkörper vor, nehme den Müllsack auf. Meine Schritte hallen im Treppenflur. Wo ist nur der Lichtschalter. Ich traue mich nicht, weiterzugehen. Ich könnte die Treppen herunterfallen.“ …

Kinderquatsch mit Michael

baphomets_fluch_engel_45Endlos könnte das weitergehen, gäbe es nicht das Glück, dass jedes Abenteuer mal zu seinem Ende findet. Dort, wo jedes kleinste Püpslein in die Handlung mit einbezogenen, jedes Malheurchen zum Sprechakt aufgeplustert wird und sich die Story irgendwo zwischen Kafkas „Schloss“, „Kinderquatsch mit Michael“ und „Dingsda“ bewegt, da ist auch der vierte Teil der Baphomets Fluch Reihe zu Hause. Ein kleines Ferienhäuschen hat sich Baphomets Fluch – Der Engel des Todes in dieser Landschaft der Laberadventures mit Einschlaffaktor gesichert, doch verdient hätte die vierte Geschichte rund um George Stobbartt, Nico (Nicole) Collard und der mysteriösen Anna eigentlich eine schicke Villa im Herzen einer pulsierenden Großstadt.

Engel des Todes: erste Güte und Allerletztes

baphomets_fluch_engel_54„Eigentlich“, denn „Engel des Todes“ ist voll von guten Gags und erzählt eine spannende und vielseitige Geschichte um Geheimgesellschaften und Verschwörungen, in die George mal wieder hineinschlittert.
Wir treffen George in einer Absteige in einem Ghetto in New York. Dort kämpft er sich als Rechtsberater durchs Leben, bis eines Tages eine hübsche Mysteriöse auftaucht. Das Abenteuer beginnt. Gangster verfolgen Anna Maria und George. Auf der Suche nach einem uralten Artefakt verschlägt es sie bis in die Türkei, wo Anna Maria verschwindet und George sich in einem Gefängnis wiederfindet. Doch hier beginnt erst das Abenteuer, so richtig in Schwung zu kommen. Nico holt George aus dem Gefängnis und die beiden machen sich an die Aufklärung der Geheimnisse um Anna Maria, Verschwörungen und mächtige Artefakte - wunderbar, die Story.

Auch die musikalische Unterlegung des Adventures und die Vertonung der Protagonisten ist von erster Güte. Bekannte Sprecher leihen den Charakteren in Baphomets Fluch 4 ihre Stimmen und sorgen für natürliche Dialoge. Seinen Stärken zum Trotz spaziert „Engel des Todes“ jedoch munter in sein selbst auferlegtes Schicksal. Unlogische Rätsel, eine mehr als grauenhafte Steuerung und die verkorkste Wegfindung der Protagonisten ziehen mit betonschwere ein Spiel zum Meeresboden, das Besseres verdient hätte.

Goldene Himbeere

baphomets_fluch_engel_49 Gäbe es eine Goldene Himbeere für die schlechteste Kameraführung in einem Adventuregame, Baphomets Fluch 4 hätte einen ganzen Schrank voll von dem Award. George Stobbartt stöckelt durch seine Welt, dass die Mouse am liebsten Beine bekommen und weglaufen würde. Per Point & Click wird der Held navigiert – und läuft in der Hälfte der Klicks falsch, weil die Kamera es mal wieder verbrezelt hat, den Raum so darzustellen, dass man auch da hingelangt, wo man hinklickt.

Null-Sinn Verzällcher

baphomets_fluch_engel_44Die andere Hälfte der Bemühungen, um von A nach B zu kommen, rennt Stobbartt plump gegen Gegenstände, die ihm im Weg stehen und bleibt an ihnen kleben. Die Wegfindung ist eine Katastrophe und für den vierten Teil einer Spielereihe, die ohne Zweifel Kultstatus besitzt, unverschämt. Auf die Palme treiben ewige Labersätze wie „das geht so nicht“ oder „das mache ich nicht“ – Das kommt davon, wenn Stobbartt handeln soll, wie es der Plan des allmächtigen Adventures nicht vorsieht. Warum sich solche Null-Sinn Aussagen und Dialoge nicht per Tastendruck abbrechen lassen, ist ein Rätsel, das sich im Spiel nicht lösen lässt.

"Das funktioniert so nicht"

baphomets_fluch_engel_29Die Optik von „Engel des Todes“ ist einem leckeren Stückchen Apfelkuchen zu vergleichen, den man um seine Apfelstücke beraubt hat. Detaillierte Texturen und Pixelshading sind ganz anständig, doch wirken die Schauplätze sehr oft unnatürlich leer, da sich meist nur wenige Personen dort herumtreiben und die virtuelle Welt nicht gerade vor Umgebungsdetails platzt. Um im Spiel voranzukommen genügt es dann auch, die ins Auge springenden Gegenstände einzupacken und zu kombinieren, um die meist gelungenen, oft aber auch unlogischen Rätsel zu bestehen.

Würde man alte Tugenden des Adventure Genres reaktivieren, Spielerinnen und Spieler mehr an die Hand nehmen und auch mehr Zeit in den Rundschliff des Spiels investieren, dann könnte sich die Baphomets Fluch Reihe wieder im Sönnchen alter Tage aalen. 3D-Grafik ist wunderbar, nur sollte nicht die schnörkellos-einfache Steuerung der Protagonisten in den Hintergrund rücken. Sinnbefreite Kletterei an zahllosen Häuserfassaden und Kistenschieberei wären annehmbar, wenn sie denn in ein stimmiges Gesamtbild passen würden.
Um mit Stobbartts Worten abzuschließen: "Das funktioniert so nicht".

Wertung
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Schwacher vierter Teil einer - eigentlich - herausragenden Adventure Reihe.

Wertung wird angezeigt
5

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Auf einen Blick: Die Wertung
Grafik
6
48

Schwacher vierter Teil einer - eigentlich - herausragenden Adventure Reihe.

Sound
8
Steuerung
1
0
Atmosphäre
5
Motivation
5
Bunnyfaktor
4