Doch leider scheint die Präsentation der einzige Schwerpunkt zu sein, den sich das Entwicklerteam von „Master Creating“ für „Legend – Hand of God“ gesetzt hat. Denn die im Spiel erzählte Geschichte ist schlichtweg 08/15 Standardkost: Ein Dämonentor öffnet sich, das Böse fällt ein in die Spielwelt Aris, macht alles platt und nun stehen wir da, ganz allein, die Welt zu retten. Zwar sind die Zwischensequenzen hochwertig umgesetzt und die Sprecherstimmen exquisit besetzt – so richtig versinken lässt es sich in der Geschichte rund um den Helden Targon allerdings nicht.
Hack 'n Slay
Entfaltet sich der Spielspaß in Action-Rollenspielen vor allem dadurch, emsig den zähnefletschenden Monstern entrungene Gegenstände und Items zu sammeln, die dann beim nächsten Händler in bare Münze umgetauscht werden können, geht’s in „Legend – Hand of God“ einzig darum, Monster wegzuklatschen und den Sperrmüll, den selbige hinterlassen, in Energietränke zu investieren. Da ist einfach kein Schmackes drin; 'mal abgesehen davon, dass die Händler selten interessante Gegenstände führen, gibt’s ohnehin alles auf der Straße.
Einfach gestrickte Charakterentwicklung
Auch die einfach gestrickte Charakterentwicklung lockt den Spielspaß nicht hinter'm Ofen hervor. Vier veränderbare Eigenschaften (Stärke, Geschicklichkeit, Konstitution und Intelligenz) und fünf verschiedene Fähigkeitenbäume (Pfad des Kriegers, des Schurken, der Magie, der Wildnis, des Glaubens), aus denen sich für zwei entschieden werden darf, überfordern zwar niemand, das Rollenspielen eigene Gefühl, mit jedem Stufenaufstieg ein Individuum zusammenzuschrauben, stellt sich dabei allerdings nicht ein.
Unterhaltungsfaktor Luna
Braucht's auch nicht, denn „Legend – Hand of God“ möchte unterhalten – und das kann's. Vor allem der Spielcursor, in Form der Lichtelfe Luna sorgt für den ein oder anderen fröhlichen Moment. Würde Luna sich nur halb so intelligent äußern, wie sie leuchtet, Sätze wie „Hier geht´s zur nördlichen Ebene! Naja, was soll auch sonst im Norden sein?“ auf Niveau Toastbrot würden ihr nicht über die Lippen gehen.
Déjà-Vu
Was Luna wohl zu den Bugs und der schlechten Spielperformance sagen würde? Sehr wahrscheinlich folgendes: „Dein Spiel startet nicht, da Dein Rechner auf 4GB Arbeitsspeicher zurückgreifen kann? Kein Problem. Baue einfach 2GB aus oder deaktiviere Teile des Speichers über MS Windows.“ Kein Quatsch, solche Problemlösungen gibt’s, beispielsweise hier oder hier.
Und so bleibt bei „Legend – Hand of God“ einzig der Eindruck eines Déjà-vu's: Manche Spiele scheinen heutzutage nur noch andeuten zu wollen, was sie hätten sein können. So hätten die Abenteuer rund um den Helden Targon durchaus Potential gehabt: Die exquisite Vertonung, die Idee mit der Lichtelfe. Doch nette Ideen machen noch kein gutes Spiel; sie sollten auch umgesetzt werden und auf mehr zurückgreifen können als auf allzu zugängliche Hack and Slay Standardkost ohne Anspruch, dafür aber mit eingeschränkter Kameraführung, ohne Story und ohne wirkliche Charakterentfaltung.
Sowohl in Sachen Story und Charakterentwicklung als auch in Questangebot und Gameplay Schonkost.