Der Traum vom Esel, der Goldstücke abstuhlt: SiN: Episodes - Emergence

sin_episodes_emergence01.jpgEin kölscher Klassiker unter den Sprichwörtern drückt wohl am besten aus, was sich die Entwickler bei SiN: Episodes – Emergence möglicherweise gedacht haben. „Et hätt no immer jot jejange“. Angelegt in leicht verdaulichen Episodenhäppchen präsentiert Ritual nun die erste Episode Sin – nach knapp zehn Jahren SiN-Abstinenz eine Wohltat, dürfte man meinen. Doch Entwickler Ritual, im Hinterkopf wohl wenig mehr als Money, Megaboobs und Muschis, zeigt sich mit der einfallslosen Versteifung auf das Episodenkonzept die rote Karte.

<a href="/?q=node/89"><img class="g2image_float_right" src="/galerie/main.php?g2_view=core.DownloadItem&amp;g2_itemId=531&amp;g2_serialNumber=5&amp;g2_GALLERYSID=873d8b37b6a6734f383974ce36714b06" alt="sin_episodes_emergence01.jpg" title="sin_episodes_emergence01.jpg" width="175" height="131" /></a>Ein kölscher Klassiker unter den Sprichwörtern drückt wohl am besten aus, was sich die Entwickler bei SiN: Episodes – Emergence möglicherweise gedacht haben. „Et hätt no immer jot jejange“. Angelegt in leicht verdaulichen Episodenhäppchen präsentiert Ritual nun die erste Episode Sin – nach knapp zehn Jahren SiN-Abstinenz eine Wohltat, dürfte man meinen. Doch Entwickler Ritual, im Hinterkopf wohl wenig mehr als Money, Megaboobs und Muschis, zeigt sich mit der einfallslosen Versteifung auf das Episodenkonzept die rote Karte.

sin_episodes_emergence35.jpgWas muss das für ein Leben sein. Man erblickt als böser SiN-Soldat das Licht der Welt, streift bis an die Zähne bewaffnet mit seinen Killer-Kollegen durch die Gegend, nur um diesen einen Typen zu jagen, der mal wieder Stress macht und hartnäckig alles niedermäht, was sich bewegt. John R. Blade, Chef des privaten Sicherheitsdienstes „HardCorps“, ist in den Labors, Frachthäfen und Großraumbüros der SiN-Welt unterwegs, um das Leben der bösen, bösen SiN-Söldner zu einem vorzeitigen Ende zu bringen.

sin_episodes_emergence18.jpgIrgendwann auf ihren Streif- und Patrouillenzügen stehen sie sich dann gegenüber: Böser SiN-Soldat erblickt Blade, Blade erblickt knapp zwei Sekunden später den SiN-Soldat. Der SiN-Soldat ist klar im Vorteil, dürfte man meinen. Also legt der gute Soldat seine Waffe an, fixiert Blade in seinem Zielfernrohr und – merkt plötzlich, dass die Entwickler offenbar vergessen haben, ihm ein Gehirn einzubauen. Also steht er fest angewurzelt herum und wartet, glotzt Blade an, wartet, Blade hat ihn gesehen, wartet. Worauf wartet er? Vielleicht auf eine entschuldigende Kurznachricht der Entwickler, dass es ihnen leid tut? Die Nachricht könnte dann möglicherweise in etwa so aussehen:

sin_episodes_emergence21.jpg„Lieber SiN-Soldat, Du musst verstehen und akzeptieren, dass Du nicht die Hauptrolle in dem Shooter bist. Du hast einfach dafür zu sorgen, dass die Jungs und Mädels, die da in die Rolle des Blade schlüpfen, ihren Spaß haben. Naja. Und irgendwie war auch die Entwicklungszeit zu kurz und das Geld – Ja, das Geld. Nun ja, es stehen ja nur begrenzte Mittel für Softwareprodukte zur Verfügung, das musst Du doch verstehen. Und dann noch die Kosten für die Lizenzierung der Source-Engine. Ayayay. Aber wir versprechen Dir: Wenn sich der erste Teil der SiN: Episodes Reihe gut verkauft, dann springt gaaanz bestimmt ein wenig mehr Hirnmasse für Dich heraus. Entwickler-Ehrenwort! Vielleicht bekommst Du ja sogar ein neuronales Netz, wodurch Du richtige Lernprozesse vollziehen kannst. Boah. Also freu Dich schon mal auf die nächste Episode, lieber SiN-Soldat und sei nicht traurig. Dein Entwicklerteam.“

Schäfchen zählen

sin_episodes_emergence16.jpg Bevor Blade den Söldner in die ewigen Jagdgründe befördert, flammt in dem hirnlosen Soldaten dann doch noch ein Funkchen Verstand auf. Er hoppelt schnell weg und versteckt sich – hinter einer benzingefüllten Tonne. Als der explosionsgefährliche Behälter nach einem gut gezielten Schuss aus Blades Waffe zu brennen beginnt, steht der SiN-Soldat vor einem unlösbaren Dilemma. Soll er weglaufen und sich in Sicherheit bringen, oder bleibt er lieber sitzen und zählt Schäfchen? Das mickrige Gehirn rattert und rattert und schließlich ist die hyperkomplexe Entscheidung gefällt. Er bleibt sitzen und mit der Explosion der Tonne haucht er sein kurzes unerfülltes Leben ins digitale Nirwana aus.

Back to the Boobs

sin_episodes_emergence02.jpg SiN: Episodes – Emergence ruft nicht nur in Sachen künstliche Intelligenz (kI) der Computergegner Erinnerungen an vergangene Tage wach. Auch Storyline, Grafik und Gameplay bewegen sich im Bereich „naja“ und beamen das Genre „Egoshooter“ um Jahre zurück. Die Story scheut keine Plattitüden und ist so flach, dass sie unter den niedrigsten Teppich passt. Erzählt wird die Geschichte um Ballermeister Blade. Dieser wacht, voll gepumpt mit einer neuartigen Droge, in einem Labor auf. Sein erster Blick fällt schnurstracks in das canyontiefe Dekolleté der bösen Gegenspielerin. Als die Wände des Labors wackeln und die gute Seite ihren Auftritt feiert, machen sich Miss „Titty Twister“ Elexis Sinclair und ihr russischer Begleiter Radek, seines Zeichens Drogenbaron, aus dem Staub. Blade wird befreit von Jessica Canon und beide machen sich auf, Radek und seine Perle zu suchen und zu erledigen. So viel zur Story. Was folgt, sind lineare Ballertouren durch Gebäude, Labors, Frachthäfen und Konsorten. Seine schnörkellose Schießwut befriedigt Blade mit maximal drei Waffen: Magnum, Assault Rifle und Shotgun – alle ausgestattet mit ihren jeweiligen Sekundärmodi wie dem Energiestrahl, dem Granatenwerfer und abprallenden Geschossen.

Ein Teil in einem Puzzle

sin_episodes_emergence19.jpgZur schlanken Story gesellt sich eine Spieldauer von knappen drei bis vier Stunden. Läuft dann der Abspann über den Monitor, so ertappt man sich intuitiv dabei, wie man wild die Spielverpackung nach weiteren Datenträgern durchsucht. Klar, Emergence ist nur eine Episode der SiN Saga, nur ein kleines Teil in einem größeren Puzzle. Bei einem Startverkaufspreis von knapp 20 Euro für eine einzelne Episode ist jedoch die Erwartung hoch, ein halbwegs qualitativ hochwertiges Produkt in den Einkaufsbeutel gepackt zu haben – und vor allem endlich die hochwertig umgesetzte Folgehandlung des vor knapp 10 Jahren veröffentlichten SiN spielen zu dürfen. Für zwerchfellstrapazierende Belustigung sorgten (zeitweise) aufgetretene Bugs in der Physik-Engine. So dokumentiert das folgende Video fröhlich hüpfende Kisten und springende Türen.

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Boob-Knockout

sin_episodes_emergence43.jpgRitual scheint bei Emergence offensichtlich mit äußerlichen Plattitüden den Mangel an Qualität und Liebe zum Gaming überdecken zu wollen. Oder wie erklärt man sonst die Rolle der Elexis Sinclair? Einen Mehrwert geben ihre überdimensionierten Rundungen der Story jedenfalls nicht. Wenn man sie so sieht: „bounce, bounce“, dann weiß man, warum sie im Spiel überwiegend als Hologramm auftaucht: Würde sie sich mit Blade wilde Verfolgungsjagden liefern müssen, würde der Boob-bedingte Knockout schon in der ersten Runde folgen. Zeit, der Lady eine erleichternde Operation zu spendieren hat Ritual reichlich. Wenn es mit den Episoden gut läuft, folgen bis zu acht weitere Episoden auf Emergence. Bei einem Verkaufspreis von rund 20 Euro lacht das Geldsäcklein – es lebe das Episodenkonzept!

Wertung
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Drei bis vier Stündchen dauert's, bis der Abspann über den Monitor flimmert. Erfahrene Zocker schaffens - der stupiden künstlichen Gegnerintelligenz wegen - auch in kürzerer Zeit. Ist die erste Episode erst einmal durchgespielt, stellt sich schnell ein fader Nachgeschmack ein: "Das war schon alles?".
Entwickler Ritual hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und für die zweite Episode noch einiges zu tun. Hoffentlich wird 'mal ein wenig mehr Energie in Story und KI investiert und nicht mehr mit Plattitüden zu überzeugen versucht.

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Auf einen Blick: Die Wertung
Grafik
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Drei bis vier Stündchen dauert's, bis der Abspann über den Monitor flimmert. Erfahrene Zocker schaffens - der stupiden künstlichen Gegnerintelligenz wegen - auch in kürzerer Zeit. Ist die erste Episode erst einmal durchgespielt, stellt sich schnell ein fader Nachgeschmack ein: "Das war schon alles?".
Entwickler Ritual hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und für die zweite Episode noch einiges zu tun. Hoffentlich wird 'mal ein wenig mehr Energie in Story und KI investiert und nicht mehr mit Plattitüden zu überzeugen versucht.

Sound
6
Steuerung
9
Multiplayer
3
Atmosphäre
4
Motivation
4
Bunnyfaktor
2