Stuttgart sagt Turnier der Electronic Sports League ab

Stuttgart sagt Turnier der Electronic Sports League ab

Der Amoklauf eines jungen Mannes in der Baden-Württembergischen Stadt Winnenden am 11. März dieses Jahres zieht die erste übereifrige Handlung nach sich. Wie golem.de berichtet, hat die Stadt Stuttgart und örtliche Veranstalter das im Rahmen der Electronic Sports League (ESL) stattfindende "Intel Friday Night Game" (27.03.2009) abgesagt. Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster begründet die Absage mit Worten der Rücksichtnahme auf die Opfer des Amoklaufes in Winnenden:
"Angesichts der Ereignisse und dem schrecklichen Amoklauf in Winnenden und Wendlingen, bei dem 15 Menschen getötet wurden, können wir eine solche Veranstaltung derzeit in unserer Stadt nicht akzeptieren. [...] Wir sind das den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer schuldig."
(Zitiert nach golem.de)

Der Absage gingen Gespräche zwischen den örtlichen Veranstaltern und Turtle Entertainment GmbH, den Betreibern der ESL, voraus. Da sich Turtle Entertainment offenbar weigerte, andere Spiele als die Turnierspiele der "Intel Friday Night Games" (Counter-Strike, Counter-Strike: Source, Warcraft und FIFA) anzusetzen, zogen die Veranstalter und die Stadt Stuttgart ihre Konsequenzen.

[Update:] Den Dialog scheint die Stadt Stuttgart laut Aussage der ESL offenbar nicht gesucht zu haben: "Die ESL distanziert sich von den öffentlichen Vorwürfen seitens des Hallenbetreibers. Der Dialog über eine Verschiebung der Veranstaltung oder die Verwendung anderer Spiele wurde von der Stadt nicht gesucht, obwohl Turtle Entertainment jederzeit dialogbereit und lösungsorientiert war und ist.""
(Zitiert nach golem.de)

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Kommentare

Ich muss mich schon arg zurücknehmen, um bei solch voreiligen Schlüssen - wie dem der Stadt Stuttgart - nicht dem Sarkasmus zu verfallen.

Ein weiteres Beispiel für diese Dialektik der Verklärung findet sich in der "Zeit". Die "Zeit" (Ausgabe 13/2009) widmet ihr Dossier dem Thema "Amoklauf" und zieht, neben einem völlig pathetischen (und in seinem Gehalt sehr fragwürdigen) Text über den Medien-"Märtyrer" Dr. Pfeiffer, den Schluss, dass die Aufmerksamkeit, die Medien, etc. solchen Gewalttaten widmen, ein - wenn nicht gar DER - Katalysator für Nachahmungstäter ist.
Und wie transportiert die "Zeit" ihre Thesen? Nun, sie präsentiert am Kopf jedes Blattes eine umfangreiche Liste von Amokläufern, inklusive Trefferquote. Jedem Amokläufer sein eigenes Denkmal suggeriert diese Liste.

Solch eine Berichterstattung und solch eine faktenarme Suche nach Gründen, die mit dem Holzhammer auf die Macht der Medien aufmerksam machen will, sich in ihrer Aufmachung und der Präsentation ihrer Inhalte jedoch der "Bild"-Zeitung in nichts nachsteht, heuchelt (meine Meinung) nur die reflektierte Beschäftigung mit der Thematik. Was ich vermisse, ist eben jene reflektierte Beschäftigung mit dem Thema, nicht dieses Herumgebolze mit Halbwahrheiten, nicht diese Effekthascherei. Ich kann's nicht mehr hören, nicht mehr sehen.