Bist du ’n Psycho?
Im Nachfolger Crysis Warhead der Grafikkanone Crysis hat sich so manches verändert. Entwickler Crytek ersetzt Nomad, den Hauptcharakter des ersten Spiels, seines Zeichens ebenfalls Elitesoldat der US-Armee, kurzerhand durch einen Nebendarsteller. Sergeant Michael Sykes wird liebevoll Psycho genannt und galbt bereits in der Anfangsphase von Crysis als etwas durchgeknallt.
Doch eigentlich wird dieser Spitzname dem Helden von "Crysis: Warhead" nicht gerecht, denn das Spiel präsentiert Sgt. Sykes nicht nur mit wie gewohnt Ego-Ansicht Sequenzen sondern blickt dem Soldaten auch über die Schulter. Der Spieler wird also mit den Stärken und Charakterzügen von Psycho konfrontiert, nicht wie einst mit dem gesichts- und gefühllosen Nomad. So erläutert Sykes einem kleinen Trupp Koreanern, die das Pech hatten ihn gefangen zu nehmen, er sei kein Amerikaner, sondern „Brite, du Pfeife!“
Psycho ist perfekt im Umgang mit Schusswaffen ausgebildet, die er tödlich präzise zu verwenden weiß. Durchschlagskraft, Präzision und Feuergeschwindigkeit sind bei jeder Waffe verschieden. Das ist jedoch nur selten von Bedeutung. Mit Waffenmodifikationen wie einem Granatwerfer oder einem Sturmvisier (Zielfernrohr) kann Psycho sich schnell mitten im Gefecht seine gewünschte Waffe basteln. Zusätzlich zu normalen Sturmgewehren, einer Maschinenpistole und einer Pistole sind auch Raketenwerfer, Granaten und neuerdings auch eine mikro MP, ein Granatwerfer und eine alles vernichtende Prototyp-Kanone dabei.
Mitnehmen kann Psycho auf seine Reisen über die Insel aber immer nur eine Hand voll Granaten verschiedener Arten, wie EMP- (stören Nanosuits) oder Rauchgranaten, eine Pistole oder mikro-MP und zwei große Waffen, sowie Sprengstoffe, Minen und einen Raketenwerfer. Die braucht der Spieler auch, wenn er Psycho auf einem der vier Schwierigkeitsgrade durch das Spiel steuert. Während er nämlich auf dem einfachsten noch mit dem Auto fahren und gleichzeitig schießen kann, ist ihm das schon im dritten Schwierigkeitsgrad verwehrt. Auf dem schwierigsten, „Delta“, fehlt dann auch noch das Fadenkreuz und, einzige Veränderung zum Vorgänger, Psycho muss Munition per Hand an sich nehmen. Auf den anderen Schwierigketsgraden läuft Psycho nun einfach drüber und sammelt die Munition ein.
Die gefährlichste Waffe der Elitesoldaten ist nach wie vor der flexible Nanosuit, der im einen Moment den Träger unsichtbar und im anderen übermenschlich schnell macht. Freileich beschränkt sich der Anzug nicht auf diese beiden Fähigkeiten, kann er doch auch Geschosse einfach abprallen lassen und den Muskeln des Soldaten einen Kraftschub verpassen. Aber auch eine derart mächtige Waffe hat Schwächen.
Im Fall des Nanosuits ist es die, dass er je nach Nutzung Energie verbraucht. Während er also im Tarnmodus kontinuierlich an Energie verliert, wird im Panzermodus etwa pro abgewehrten Schuss ein Batzen davon abgezogen. Angst um sein Leben braucht der Träger bei gewissenhaftem Gebrauch des Anzugs nur selten haben, da sich die Energie in jedem Modus (außer dem Tarnmodus) schnell wieder auflädt. Die verschiedenen Möglichkeiten des Nanosuits beeinflussen auch die Handhabung der Waffen. So lassen sich Stärkemodus Granaten weiter werfen und der Rückstoß der Waffe wird reduziert.
Bist du reif für die Insel?
Die Geschichte von Crysis: Warhead ist im Grunde dieselbe wie im Vorgänger Crysis - mit einigen Abstrichen aber deutlich mit Action aufgestockt. Der Spieler durchlebt die Abenteuer, die Sgt. Sykes während Nomads Ausflug in die Alien-Eiszeit durchstehen musste. Warum diese Aliens aber plötzlich aufgetaucht sind und warum die Amerikaner im Clinch mit den Koreanern liegen, das wird in Warhead aber eigentlich nicht angesprochen. Neueinsteiger ohne Vorwissen werden also ohne Hintergrundinformationen zu dem Konflikt in den Tropenkampf geschickt. Dafür ist der neue Teil gewaltig mit Action voll gepackt worden. Sykes’ Mission ist es, einem geheimnisvollen Container nachzujagen, in dem das US-Militär eine Bombe vermutet. Als dann aber die Außerirdischen erscheinen, wird klar, was die Koreaner hier eigentlich transportieren.
Auf seiner Hetzjagd mit den Koreanern wird Psycho aus der Luft von seinem alten Freund O’Neill unterstützt. Immer wieder liefert er dem Elitekämpfer nützliche Infos zu seiner Mission. Dramatisch inszeniert wird Warhead durch seine Story-Sequenzen die Spielerinnen und Spielern Sergant Sykes’ Persönlichkeit näherbringen sollen. So erschüttert beispielsweise der Tod eines Pioniers sehr, der ihn unterstützen sollte.
Urlaubsfeeling?
Gleiche Freiheit, mehr Abwechslung, so präsentiert sich die Spielwelt. Das mit der Freiheit stimmt so aber nicht. Zwar steht es nach wie vor frei, wie das Missionsziel zu erreichen ist - alle Wege führen nach Rom - dennoch sind mehr Script-Sequenzen, das sind vorprogrammierte Ereignisse im Spiel die an einem bestimmten Ort ausgelöst werden, eingebaut worden, was die Atmosphäre vermittelt, direkt im Kampfgeschehen zu sein.
Die Schauplätze des Spielgeschehens sind abwechslungsreicher geworden. Zwar kam schon Crysis mit außergewöhnlichen Levels (siehe Alienraumschiff) daher, diese wurden in Warhead aber weit glaubwürdiger umgesetzt. Einmal kämpft sich Psycho mit Nanosuit-Kollegen gemeinsam durch die vereiste Umgebung nach dem Alienangriff, um zu einem nahen Tunnel zu kommen. Der Tunnel ist übrigens einer der spannendsten Level des Spiels in dem Crysis: Hier entfaltet Warhead seine ganze Pracht.
A propos Pracht: Crytek hat noch weiter am Grafikgerüst von Crysis geschraubt und die Welt und deren … Bewohner mit noch mehr Details ausgestattet. Psycho und seine Kumpels tragen nun Narben als Zeugen ihrer Einsätze im Gesicht und die Rüstungen sehen abgenutzt aus. Zusätzlich wurde die Grafikengine weniger hardwarehungrig programmiert. Auf höchsten Einstellungen sieht Warhead also noch einmal ein Stückchen besser aus als der Vorgänger. Spielbar ist das jedoch nur auf den wenigsten PCs.
Mit einem System, bestehend aus einer Nvidia 8800 GTX Grafikkarte, einem 2,6 GHz Dual Core Prozessor und 3 GB RAM läuft Warhead auf Windows Vista zwar auf den höchsten Einstellungen, ruckelte aber so stark dass es unspielbar war. Ein einfacher Tipp belässt die Grafikpracht beinahe beim selben, steigert die Leistung aber stark: Man schalte das Anti-Aliasing einfach ab oder stelle es auf eine niedrige Stufe.
Der Sound ist nach wie vor hervorragend und die Musikuntermalung ist noch epischer geworden. Sie unterstreicht das Spielerlebnis noch besser.
Wer hat’s erfunden? Crysis wars!
Was sich die deutschen Entwickler des Spiels bei der Namensgebung des Multiplayerteils gedacht haben, bleibt wohl deren Geheimnis. Auf jeden Fall lassen sich tolle Wortspiele damit anstellen. „Crysis Wars“, eingedeutscht die „Crysis Kriege“ bringt die neuen Waffen ins Spiel und fügt auch weitere Karten hinzu. Sonst bleibt Crytek dem Prinzip eigentlich treu. Zwei Spielmodi – Powerstruggle und Instant Action (das bewährte Deathmatch) das auch als Team-Instant Action daherkommt - und das „Prestige System“. Für Tötungen oder Eroberungen steigt der Kämpe im Rang auf. Mit jedem Rang bekommt er mehr Prestige Punkte, die er benötigt, um sich Waffen zu kaufen.
Zudem ist es möglich, sich Fahrzeuge oder Senkrechtstarter anzueignen, die dann die Gegner, seien es Koreaner oder Amerikaner, mit besonders viel Wumms ins Jenseits, schicken. Nanosuits und Waffenmods sind natürlich auch hier im Einsatz. Einziges Problem möglicherweise: Der Hardwarehunger. Ruckelnde Online-Schießereien gehen meistens Schlecht aus - sagt die Erfahrung. Insgesamt kann der Mehrspielerteil aber nicht Genregrößen das Wasser reichen.
Einfach gesagt: Warhead schlägt Crysis! Die seichte Story wird durch den glaubwürdigen, lebendigen Charakter Psycho und die tollen Script- sowie Storysequenzen toll erzählt und vermittelt eine packende Atmosphäre, die auch den unverwundbar scheinenden Nanosuit-Soldaten menschlich erscheinen lässt. Grafisch ist und bleibt Crysis mit Warhead weit vor der Konkurrenz.