Flucht (vor) der Gerechtigkeit
Als der Attentäter dann den Fluchtweg über die Dächer der Stadt einschlägt, öffnet sich die ganze Faszination von Ubisoft’s neuem Werk: „Assassin’s Creed“: Gekonnt springt der Assassine Altair von einem überwachsenen Balkon auf das gegenüberliegende Haus zu, wo er sich an einem Fenstersims festklammert und sich - über den Fensterrahmen - wieder auf die Dächer hangelt. Als die ihn verfolgenden Wachsoldaten außer Sicht scheinen, stürzt sich Altair sogleich in einen mit Stoffen beschatteten Dachgarten, um seinen Verfolgern zu entkommen.
Nichts ist wahr! Alles ist erlaubt?
Desmond Miles, ein junger Barkeeper, findet sich eines Tages in den Fängen einer dubiosen Pharmafirma wieder, für welche er ein ebenso dubioses Artefakt, von dessen Existenz er selbst bisher keine Ahnung hatte, beschaffen soll. Doch nicht er ist es, der die Reliquie beschaffen kann, sondern sein Vorfahre, der Attentäter Altair, kennt angeblich deren Standort. Deshalb wird Desmond also gezwungen, mittels einer Maschine, "Animus" genannt, die Erinnerungen des Vorfahren mitzuerleben.
Dummerweise hat dieser den Auftrag, das Artefakt unter Salomos Tempel zu bergen, vermasselt und fällt so in Ungnade bei seinem Meister „Al Mualim“, der ihm zur Strafe nicht nur einen Dolch in die Seite rammt, sondern ihn auch noch auf die Jagd nach 9 Männern - alle Kriegsprofiteure - schickt, um seinen Rang unter den Assassinen sowie seine Ehre zurückzuerhalten. Zwar steht die Glücksgöttin auf Seite der Assassinen, die das Artefakt dennoch bergen können, aber trotzdem muss Altair seine Strafe verbüßen.
Reise durchs heilige Land
In drei Städten, Damaskus, Jerusalem und Akkon, befinden sich diese Männer, deren Tod Al Mualim wünscht. Also muss Altair von der Festung Masyaf aus (deren Ruinen übrigens heute noch existieren) durch das so genannte Königreich reiten, welches eine kurze Ladepause von den Städten trennt. Das Königreich ist ein fiktiver Landabschnitt, in dem sowohl Kreuzfahrer als auch arabische Soldaten für Sicherheit sorgen wollen. Daher bedarf es besonderer Vorsicht, um unauffällig und ohne Kampf sicher nach Damaskus, Jerusalem oder Akkon zu gelangen. Zwar befinden sich einige kleine Dörfer und hohe Wachtürme im Königreich, das aber dennoch eher ein unspektakulärer Lückenfüller bleibt. Sind die Städte bereits einmal erreicht, so kann „die Erinnerung“ bei späteren Missionen sofort vor die Tore des gewünschten Ortes oder in das Büro des Verbindungsmannes „vorgespult“ werden.
Über den Wolken …
À propos hohe Türme. Gerät einer in Sicht, so bietet es sich förmlich an, bis an dessen Spitze zu klettern, nur um die wunderschöne Landschaft zu überblicken. Altair ist fähig, beinahe jedes Gebäude zu erklimmen, denn immer findet sich irgendeine Unebenheit, eine Dekoration, ein Relief oder ein schlecht gemauerter Ziegel, an dem der Assassine sich hochziehen kann. Ist dann einer dieser Türme erklommen, so bietet sich nicht nur eine atemberaubende Aussicht über die Landschaft, sondern auch die Möglichkeit, Altair mit seiner Umgebung zu synchronisieren, das heißt, dass er Informanten, andere hohe Bauwerke oder Bürger in Not entdecken kann.
Kopflos ins Verderben?
Informanten? Ja, denn bevor der Attentäter seinem Opfer den Dolch in den Hals rammen darf, muss er sein Vorgehen genau planen. Altair muss Informationen über die zu beseitigende Person selbst, sowie über deren Gewohnheiten in Erfahrung bringen, bevor er die Erlaubnis zuzuschlagen erhält. Genau diese Informationen wollen die Informanten jedoch nur preisgeben, nachdem Altair einen Gefallen für diese erledigt hat. Im Gegensatz zur XBox360 und PS3 Version von Assassin’s Creed gibt es auf dem PC anstatt von 5 gleich 9 Möglichkeiten, an diese Informationen zu kommen.
Das „Dachrennen“, in dem in einer gewissen Zeit eine Strecke über die Dächer zu einem weiteren Informanten zurückgelegt werden muss, die „Bogenschützen Beseitigung“, bei der einige auf den Dächern postierte Bogenschützen heimlich ausgeschaltet werden müssen, die „Marktstand-Verwüstung“, wo in einer bestimmten Zeit mittels Werfen eines Passanten in einen Stand mehrere Marktstände verwüstet werden müssen. Außerdem gibt es das „Flaggenrennen“, die „Soldaten Beseitigung“, das „Belauschen“, den „Taschendiebstahl“ und das „Informationen rausprügeln“. Zudem können noch „Bürgerrettung“ und „Turmerklimmung“ abgeschlossen werden. Diese haben jedoch auf das Attentat keinen Einfluss. Dummerweise wiederholt sich dieses Vorgehen vor jedem Mord und und die Investigationen mögen nicht so recht fesseln.
Der Tod kommt unverhofft
Ist dann alles zusammengetragen was benötigt wird, gibt der Verbindungsmann die Erlaubnis zum Mord. Am Platz des Geschehens angekommen, startet ein interaktives Video, in dem die Wesenszüge, sowie die zu erdolchende Person eingeführt werden. Während dieses Videos kann Altair sich frei zwischen den Menschen bewegen. Bei bestimmten Ereignissen während der Sequenz, die durch „Bildfehler“ angezeigt wird, kann mittels Drückens einer Taste die Kameraperspektive auf das Geschehen zentriert werden.
Ist dann der Zeitpunkt des Todesstoßes gekommen, so liegt es im Ermessen des Spielers, wie er das Opfer zur Strecke bringt. Die Auswirkungen sind die Selben. Alles mündet in einer Verfolgungsjagd. Dennoch ist es klüger, den Mord unauffällig und ohne Kampf durchzuführen. Ist der Mord geschehen, so folgt eine weitere Sequenz, in der der Sterbende seine letzten, kryptischen Worte spricht. Dann heißt es verschwinden.
Die Steuerung von Assassin’s Creed funktioniert auch auf dem PC wunderbar. Durch ein kleines Tutorial, gleich am Anfang, ist sie schnell erlernt und besteht nur aus wenigen Tasten. Wahlweise kann nur mit der Tastatur oder nur mit der Maus gespielt werden. Am besten funktioniert jedoch die Steuerung der fünf Tasten und Maus.
Atmosphärisch kann der Ausflug in die Zeit der Kreuzzüge ebenso überzeugen. Die Städte sind mit Leben gefüllt. In den engen Gassen wuseln reiche als auch arme Bürger, sowie geistig verwirrte Menschen herum. Untermalt wird das ganze von einem Soundtrack, der mit dem Spiel verschmolzen zu sein scheint. Eine Mischung aus arabischen Klängen und moderner Musik führt Altair (und Desmond!) durch Assassin’s Creed. Leider schwächelt der Sound andernorts. Zwar klingen Schwerthiebe und gekreuzte Klingen wie echt, aber die von den Bürgern gesprochenen Dialoge hören sich, möglicherweise bewusst, unscharf an.
Technik-Fazit
Die Grafik glänzt dafür mit detailreichen, emotionalen Gesichtern und wunderschönen Lichteffekten. Auch die Schatten können überzeugen, sehen jedoch auf DirectX10 schöner als auf DirectX9 aus. Die Texturen verhalten sich gleich. Die Kantenglättung funktioniert in beiden Modi hervorragend. 16:10 Monitore müssen aber, wie auch 4:3 Monitore, schwarze Balken an Ober- und Unterseite des Bildschirmes in Kauf nehmen. Diese stören jedoch beim spielen keineswegs und fallen kaum auf.
Um das Spiel in höchsten Einstellungen spielen zu können, erfordert es jedoch einen guten Rechner. Die Mindestanforderungen sind: Ein Zwei- oder Mehrkernprozessor, 1 GB RAM und eine Shader 3.0 Grafikkarte mit mindestens 256 MB V-RAM.
Flüssig und in höchsten Einstellungen läuft Assassin’s Creed dafür sicher auf einem System mit einer GeForce 8800 GTX, einem intel Core 2 Duo E6700 (2,667 GHz) und 3GB RAM.
Laptopgrafikkarten werden nicht unterstützt, können aber funktionieren. Mit Windows XP funktioniert Assassin’s Creed auch auf einem passenden Laptop mit 512 MB Grafikkarte, 2 GB RAM und einem Zweikern 2,0 GHz Prozessor ohne Ruckeln.
Assassin’s Creed schafft es, eine Illusion, eine Erinnerung, über viele Stunden hinweg aufrecht zu erhalten. Der Spieler versinkt in den Kreuzzügen, und wird dann wieder in die Gegenwart zurückgeholt um Desmond Miles in der Gegenwart zu verkörpern. Wenngleich dies der kleinste Teil des Spiels ist, so fügt er sich dennoch hervorragend ein. Dumm nur dass dieses grandiose Spiel mit einem „Kauf den zweiten Teil“-Ende aufhören muss.