Denn nicht mehr die pulsierende, von Berufs- und Pendlerverkehr erfüllte Großstadt mit ihrer korrupten, aber emsigen Polizei ist Schauplatz der Rennen, sondern schlichte, simple und pupsige Renntage. Fest abgesteckte Rennstrecken, für Ottonormalos nicht zugängliche Asphaltpflaster, sind Schauplatz des PS-Geposes in „Pro Street“. Fest abgesteckte Rennstrecken, die zwar das Fahrgeschick fordern und einiges an Möglichkeit bieten, den frisch justierten PS-Bullen 'mal so richtig zu triezen, die aber nach wenigen Spielstunden schlichtweg eintönig wirken.
In „Pro Street“ läuft der Hase anders
Alles so ... legal hier! Man wähnt sich im falschen Spiel. Gleich auf die ersten Spielminuten folgt Ernüchterung. Da wird in altbekannter NFS-Manier die Kurve mit Schmackes angerast, wohl wissend, dass der Power Slide wie in allen „Need for Speed“ Teilen die Sache schon richten, sprich die Kurve schon bewältigen wird. NFS hat es noch nie so ernst genommen mit Fahrphysik; in „Pro Street“ läuft der Hase jedoch gänzlich anders. Wer nicht bremst, zerlegt sein Auto an der Leitplanke.
Schadensmodell
Zumindest das haben die Entwickler nach rund 14 Jahren „Need for Speed“ geschafft: Dem Spiel ein sattes Schadensmodell zu gönnen. Endlich wirken sich Begegnungen der fahrlässigen Art mit konkurrierenden Wagen oder der Streckenbegrenzung auf die Optik – aber nicht sonderlich auf die Fahrphysik – aus. Zwar sind die Crashes, die zu einem Totalschaden führen manchmal lapidar und die Aufbereitung (eeendlos lange Zeitlupe, bis der Wagen endlich still steht) der Unfälle zu pathetisch, dem Spielspaß kommt das Schadensmodell zu Gute.
Renntage
Wer in „Pro Street“ nach der Story sucht, muss schon mit der Lupe 'rangehen – und findet Renntage. Hier wird sich in den verschiedensten Renndisziplinen wie simplen Streckenrennen gegen die Uhr oder Gegner („Grip“-Rennen), Drag-Rennen, bei denen das schnelle Schalten zum Sieg führt oder Drift-Rennen, wo Punkte für das beste Kurvenschlittern vergeben werden. Soweit hat „Pro Street“ seine Modi mit vergangenen Teilen der Reihe gemein.
Neues in „Pro Street“
Neu sind hingegen „Wheelie“ Rennen, bei denen es darum geht, die Front des Autos möglichst lange in der Luft zu halten, oder „Speed-Challenge“ Rennen, wo der Geschwindigkeitsrausch zu Hause ist – am Streckenrand lacht sich schon der Totalschaden ins Fäustchen. Renntag für Renntag hangelt man sich durch, bis es schließlich gegen die verschiedenen Disziplinen-Profis geht. Am Ende dann setzt man sich das Krönchen auf und ist Showdown King.
Sexy Optik, satte Wagen
Freillich, „Pro Street“ ist, wie auch die beiden vergangenen Teile „Carbon“ und „Most Wanted“ eine feine Sache – Vor allem die Technik beeindruckt: Die Optik ist einfach sexy; nur wenige Rennspiele sehen so gut aus und haben so viel Style wie „Pro Street“. Sexy sind vor allem auch die Autos, die in „Pro Street“ zur Verfügung stehen. Von Lamborghini über Porsche, hin zum Pagani „Zonda F“ ist alles vertreten, was Rand und Namen hat – der ausgewogene und gut umgesetzte Tuningpart kitzelt noch 'ma schön ein paar PS mehr aus den Autos heraus. Von den Felgen, der Motorhaube, dem Auspuff-Endtopf, dem Spoiler, Überrollkäfig oder den Rennsitzen – hier ist alles einbau- und anpassbar.
Leichtbekleidete Babsis
Sexy sollen wohl auch die Bitches sein. Vor jedem Rennen stöckelt eine leichtbekleidete Babsi an der Startaufstellung vorbei, zwinkert lässig und gibt den Startschuss. „Richtig so, denn die Damen der Schöpfung haben in Computerspielen, wo's um Autos geht, einfach nix zu suchen“, zumindest ist das der Eindruck, den „Pro Street“ generiert. Sei's drum; „Pro Street“ ist ja nicht das einzige Spiel, das sich auf Stereotypen und Herumgepose beschränkt. Ab und an taucht zwar 'mal eine Fahrerin auf, die geht dann allerdings fix unter neben bouncenden Boobs der Tabledancerinnen auf den Renntagen.
Mehrspielerpart
Der Mehrspielerpart macht Spaß und darf als das Kernstück von „Pro Street“ gelten. Online lassen sich eigene Renntage kreieren, Blaupausen der selbstgetunten Wagen, sowie Geisterwagen und Bestzeiten hochladen. Das Portal unter http://needforspeed.share.ea.com bietet Spielerinnen und Spielern die Möglichkeit, die Positionierung in den Ranglisten abzuchecken und sich mit Freunden zu verdrahten. Gut gemacht!
Hawaii-Toast mit Röstzwiebeln
Was bleibt nach zahlreichen Stunden auf den Rennstrecken von „Pro Street“ sind gemischte Gefühle: Zwar werden die Renntage irgendwann eintönig, die Gier nach dem dicksten Auto hält aber bei der Stange. Zwar fehlt der Flair des Illegalen und fehlen die heftigen Verfolgungsjagden mit der Polizei, die Gänsehaut, die sich bildet, wenn's mit 300 Sachen über unebnen Asphalt geht und jedes Schlagloch das Aus bedeutet, wiegt den Mangel an Abwechslung wieder auf. Trotzdem: „Need for Speed: Pro Street“ ist in etwa so innovativ wie Hawaii-Toast mit Röstzwiebeln – nix Neues, aber wer's mag, dem schmeckt's.
Gemischte Gefühle: Einerseits wenig Neues, keine Cops und keine freie Fahrt durch die Stadt, andererseits fette Wagen, satte Präsentation und der gute Mehrspielermodus.