Die Familienprobleme gehen in die dritte Runde, Die Sims ziehen wieder ein und die Nachbarschaft öffnet sich. Wo vorher ein Addon von Nöten war sind die Sims schon im Hauptprogramm mobil geworden. Die wohl beeindruckendste Neuerung ist, dass die Sims ihre Zeit jetzt nicht nur zu Hause oder unbeobachtet bei der Arbeit verbringen, sondern ihnen die Welt … die Nachbarschaft zu Füßen liegt. Sei es ein Ausflug an den Strand oder ein kurzer Einkaufsbummel, ein Besuch im Kino oder ein Picknick im Park.
Keine Ladezeit trennt die öffentlichen Treffpunkte vom eigenen Heim. Entweder per Auto oder zu Fuß erreichen die Sims jeden Punkt in ihrem Städtchen und es bieten sich wahrlich viele Möglichkeiten wie man die Zeit nach der Arbeit totschlagen kann. Ein Besuch im Stadion – ein Konzert oder Fußballspiel gastiert immer im Örtchen – oder Fortbildungskurse oder aber auch ein Angelausflug. Während der Arbeit darf man die Sims jedoch immer noch nicht beobachten.
Aber das Leben eines Sims beginnt üblicherweise mit der Erstellung. Im Sims-Generator lassen sich die virtuellen Menschen nach persönlichem Geschmack formen. Mit Schiebereglern lässt sich jedes Detail im Gesicht des Sims genau festlegen. Die Größe der Augen oder der Nasenlöcher (!). Auch die Körperfülle der Sims ist nun dem Schöpfungsdrang des Spielers ausgeliefert. Zusätzlich zu allen physischen Merkmalen lassen sich auch psychische festlegen. Doch anstatt ein Sternzeichen mit seinen ihm zugrunde liegenden Charaktereinstellungen (ist der Sim introvertiert oder extrovertiert?) zu wählen wie in den Sims-Teilen zuvor, werden dem neuen Sim Charaktermerkmale zugewiesen. So kann ein Sim in seinen 6 Charaktermerkmalen etwa „Böse“ oder „Gut“, „Tollpatschig“ oder „grüner Daumen“ oder aber „Genie“ und viele andere beinhalten.
Kleider machen Leute
Nach dem das Aussehen festgelegt ist, will noch das Outfit des Sims gewählt werden. Der Spieler kann aus mehreren verschiedenen Frisuren wählen und anschließend für jede Gelegenheit Outfits zusammenstellen. Eine legere Jeans kombiniert mit einem modernen T-Shirt für das Alltagsleben, ein schwarzer Smoking mit weißer Fliege für gehobene Anlässe, eine neongrüne Badehose …
Für jede der Kategorien „Alltagskleidung“, „Abendkleidung“, „Schlafkleidung“, „Sportkleidung“ und „Badekleidung“ lässt sich aus mehreren verschiedenen Kleidungsstücken ein Outfit zusammenstellen. Die Farben und Stoffe des Gewands lassen sich völlig frei vom Spieler anpassen.
Um an Simoleons, die Währung in der Nachbarschaft, zu kommen will erst einmal ein Job gefunden werden. Entweder in der Zeitung oder am – zu Beginn eher sporadisch vorhandenen – Computer können Stellenanzeigen durchforstet werden. Oder aber man wandert einfach drauf los, in die neue Stadt hinein und schaut direkt bei den verschiedenen Jobanbietern – vom Rathaus über die Polizeiwache zum Musiktheater - vorbei.
Es stehen viele Karrieren zur Auswahl, die eine besser, die andere schlechter bezahlt. Medizin-Karriere, Wissenschafts-Karriere, Polizei-Karriere, Militär-Karriere, Wirtschafts-Karriere, Journalismus-Karriere, Politik-Karriere, Sport-Karriere und Musik-Karriere laden ein zum Geld scheffeln. Eingestiegen wird aber ganz unten etwa als Latrinenputzer. Durch gute Laune und bei entsprechend trainierten Fertigkeiten werden die Sims immer besser in ihrem Job und das bringt ihnen im Laufe ihrer Karriere bei harter Arbeit bis zu 10 Beförderungsstufen ein sodass am Ende aus dem Latrinenputzer ein Astronaut, aus dem Tellerwäscher ein Millionär geworden ist.
Die erforderlichen Fähigkeiten wollen wohl trainiert sein. Ein Sportler etwa pumpt seine Muskeln in der Muckibude „28 Stunden Fitnesscenter“ und treibt die Athletik-Fähigkeit in die Höhe. Ein Wissenschaftler hingegen genießt eine Runde Schach – gegen den Computer, einen anderen Sim oder die Luft – oder ackert im Garten herum. Fähigkeiten können auch durch ganz alltägliche Handlungen der Sims vorangetrieben werden, etwa durch Schwimmen im Pool oder eine Konversation mit anderen Sims die das Charisma anschwellen lässt. Im Gegensatz zu den Vorgängern zeigt der neue Sims-Teil jedoch die Fähigkeiten erst an, wenn sie erlernt sind. So müssen die vielen verschiedenen Talente selbst entdeckt werden.
Einige Fertigkeiten lassen sich aber auch während der Arbeitszeit trainieren. So übt sich der Journalist etwa im Schreiben. Das Üben bei der Arbeit ist einer der verschiedenen Modi wie die Sims ihre Arbeit verrichten können. So kann der Sim etwa hart arbeiten, was ihm aber verständlicherweise wenig Spaß macht, oder es ruhig angehen lassen. Er kann sich auch bei seinem Chef einschleimen, was aber eine geringe Wertschätzung der Kollegen mit sich ziehen dürfte, oder aber mit ebendiesen plaudern oder kennen lernen. Interessiert den Sim aber gar nichts davon arbeitet er einfach in normalem Tempo.
Zusätzlich zum eigentlichen, gestressten Leben eines Sims kommen dann auch noch bestimmte Herausforderungen. So stellt der Chef etwa die Forderung dass das eine oder andere Buch gelesen werden soll. Wer dem Wunsch des Vorgesetzten nachkommt erntet dafür Lorbeeren und darf seiner wohl bald folgenden Beförderung entgegenblicken. Aber auch Freunde oder Bekannte geben den Sims Aufgaben auf. So wollen bestimmte Fertigkeitenherausforderungen abgeschlossen werden. Ein guter Koch soll für die Nachbarin einen Teller Kekse backen. Dafür gibt’s einen kleinen Geldbonus.
Mit dem erwirtschafteten Geld kauft der Spieler für seine Schützlinge Möbel, die sich im neuen Teil jetzt auch um 45° drehen lassen, und so den Räumlichkeiten mehr Realität verleihen. Die Möbel können aus vielen verschiedenen Kategorien ausgewählt werden – für jedes Zimmer eine. Die Materialien lassen sich wie bei den Kleidungsstücken nach Belieben, persönlichen Geschmäckern anpassen. Oder aber man kauft den Sims ein neues Eigenheim oder ein Grundstück. Per Umzugsmöglichkeit am Telefon finden sich neue Plätze zum Leben. Eine freie Parzelle will natürlich auch bebaut werden. Der übersichtliche Baumodus kommt wie der Kaufmodus daher und präsentiert die Objekte als kleine Bilder des ganzen Hauses. So lassen sich Wände schnell hochziehen und Farben leicht aufbringen.
Sind die Grundvoraussetzungen – ein Dach über dem Kopf, ein Einkommen – erfüllt, lassen sich die arbeitsfreien Tage nicht nur zum einsam abhängen nutzen. In den Gemeinschafts-Einrichtungen finden sich allerhand junger Sims, auf ihrer Suche nach Liebe oder einem romantischen Abenteuer oder aber einfach nach einem neuen Freund. Ein Klick genügt um eine Konversation zu starten. Aufploppende Sprechblasen bieten verschiedene Möglichkeiten um auf einen Sim einzugehen. Die Charaktereigenschaften der Gesprächspartner bieten weitere Möglichkeiten und sind wichtige Indikatoren ein Gespräch in die richtige Richtung zu lenken.
Ein charismater Sim etwa begrüßt Gesprächspartner auf verschiedene, besondere arten, während ein koketter Sim besonders verführerische Sprüche auf Lager hat. Zusätzlich dazu bringt ein Gespräch das das Gegenüber interessiert mehr Pluspunkte oder aber er trifft gezielt einen wunden Punkt und verscherzt es sich mit einem Sim noch mehr.
So werden Freundschaften geschlossen, beste Freunde finden sich, ein Erzfeind entsteht und eine Romanze könnte zur großen Liebe werden, aber Freunde finden sich nicht von einem Tag auf den Anderen. Die Beziehungen der Sims werden in mehrere Teile gegliedert. Bei flüchtigem Kennenlernen sind die Sims nur Bekannte, können aber zu guten Bekannten und schließlich zu Freunden, bishin zu besten Freunden werden. Romanzen hingegen steigern sich vom romantischen Interesse über eine feste Beziehung bis zur Verlobung/Hochzeit.
Der Lebenszyklus des Sims folgt nach dem Aufbau einer Beziehung, der Gründung einer Familie. Der normale Sim geht der „schönsten Freizeitaktivität der Welt“ im Bett, wenn beide Partner sich „entspannen“ nach, der reiche Sim hat mehr Möglichkeiten und kann den Grundstein für ein Baby im Whirlpool legen. Einige kurze jugendfreie Augenblicke später sollte eine kurze Melodie die folgende Schwangerschaftsperiode ankündigen. Nach einigen Fressattacken und Übelkeitsanfällen wölbt sich der Bauch der Simfrau merklich. Während der Schwangerschaft tut es Mutter und Kind gut, ein Buch über das Bevorstehende zu lesen, oder einen Arzt im Krankenhaus zu konsultieren.
Die Geburt, die wieder drei Sim-Tage später stadtfindet, kann entweder im Krankenhaus oder zu Hause passieren wobei im Krankenhaus bei einer glücklichen Schwangerschaft neue Persönlichkeitsmerkmale für das Kind gewählt werden können. Neu in Sims 3: Glückliche Sims können auch Zwillinge oder gar Drillinge bekommen. Dann beginnt die anstrengendste Episode, sowohl für Sims als auch für den Spieler, denn die Kinder wollen gepflegt und geliebt werden. Damit sich die Sprösslinge gut entwickeln wollen ihre Grundbedürfnisse befriedigt und ihre Wünsche erfüllt werden, damit sie nach den Lebensabschnitten Kleinkind, wo Sprechen, Laufen und Töpfchen gehen gelernt werden, Kind, wo das Schulalter beginnt und Teenager, wo der Notendruck weitergeht, endlich im Erwachsenenleben ankommen.
À propos Wünsche und Bedürfnisse. Jeder Sim hegt Bedürfnisse, die er jeden Tag erfüllen muss um sich wohl zu fühlen. Essen, die Toilette aufsuchen, schlafen, soziale Kontakte pflegen, das Hygienebedürfnis stillen und einige mehr tragen zum Wohlbefinden der Sims bei. Landet eines der Bedürfnisse im Keller, kommt die ganz eigene Hilfe zum Einsatz, so besucht einen einsamen Sim der Kuschelhase der jeden lieb hat.
Um den Sims abgesehen von Liebe, Reichtum und dem pflegen der Bedürfnisse ein schönes Leben zu bescheren müssen auch Wünsche erfüllt werden, die sich ständig ändern. So will ein Sim etwa im Garten arbeiten und eine Tochter bekommen und am nächsten Tag seine Leibspeise essen. Für die Erfüllung dieser Wünsche gibt es Punkte, die in Specials investiert werden können, die die Sims unterstützen oder ihr Leben verändern. Die „Midlifecrisis“ etwa kann alle Persönlichkeitsmerkmale des Sims verändern. Der „ultimative“ Wunsch ist das Lebensziel, besonders schwer zu erfüllen bringt es eine riesige Menge Punkte ein und hebt die Zufriedenheit der Sims auf ein Höchstniveau.
Durch das Leben werden die Sims gesteuert wie sie reden, zumindest ähnlich. Ein Klick auf das gewünschte Objekt und wieder ploppen die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten als Sprechblasen auf. Ebenso werden die Sims durch einen Klick auf den Boden durch die eigenen Räumlichkeiten oder die Nachbarschaft geschickt. Ein Objekt besitzt meist mehrere Möglichkeiten, wie das Bett, wo die Sims sich entspannen können, schlafen, oder nur ein Nickerchen machen. Das Leben der Sims lässt sich in drei verschiedenen Geschwindigkeiten abspulen, die nach belieben im Spielfluss verändert werden können, ebenso wie die Sims-Lebensdauer im Optionsmenü.
Die Sims 3 kommt in einer Grafikpracht daher, die den Sims richtig menschliche Züge wenn auch leicht überzeichnete Proportionen verleiht. Eine Knollnase ist keine Ungewöhnlichkeit. Die Texturen der Kleidungsstücke sind klar, ebenso wie der Fall und die plastische Darstellung der Haare. Bei weiterem Hinauszoomen verlieren sich jedoch die Details der Nachbarschaft. Erst nach einer Nachladezeit wird die Umgebung wieder scharf. Der Sound hingegen ist detailverliebt. Die Stimmen der Sims lassen sich anpassen und sprechen ihre eigene Sprache. Auch im Radio ertönt Musik in „Simlisch“ wobei sich eigene Musik ins Spiel importieren lässt. Alles in allem ist die Sims 3 trotz geringer Mängel auch hardwaretechnisch auf sehr gutem Stand.
Die Sims 3 ist ein durch und durch rundes Produkt, dass ob seiner zugewonnenen Komplexität während des gesamten Spielens Spaß macht und lange Motiviert, zu viele Intrigen wollen gesponnen werden und zu viel gibt es zu entdecken. Man kann die Sims 3 schon beinahe als eine Simulation des Familienlebens bezeichnen!