Empire: Total War

Empire: Total War

Von weit her ist das Donnern der Kanonen zu vernehmen, die erbarmungslos Krater in die Leichenübersäten Felder hämmern. In den eigenen, wie in den Reihen der Feinde fallen die Soldaten unter dem Hagel der Geschosse aus den Musketen. Als das Schießpulver zu Neige geht stürmen die Kämpfenden mit ihren Bajonetten durch die Rauchschwaden, die über dem Schlachtfeld liegen, hindurch um es dem Feind in die Brust zu rammen …

<p>Von weit her ist das Donnern der Kanonen zu vernehmen, die erbarmungslos Krater in die Leichen&uuml;bers&auml;ten Felder h&auml;mmern. In den eigenen, wie in den Reihen der Feinde fallen die Soldaten unter dem Hagel der Geschosse aus den Musketen. Als das Schie&szlig;pulver zu Neige geht st&uuml;rmen die K&auml;mpfenden mit ihren Bajonetten durch die Rauchschwaden, die &uuml;ber dem Schlachtfeld liegen, hindurch um es dem Feind in die Brust zu rammen &hellip;</p>

„Vereintes Europa“
In einem Europa im Wandel, zu Beginn des 18. Jahrhunderts, übernimmt der Spieler die Kontrolle über eine der zahlreichen Nationen des Kontinents wie etwa Frankreich, Preußen, England oder Österreich. Die Grenzen sind jedoch bereits vor langer Zeit gezogen worden, und so gibt es die Rebellenprovinzen wie im Vorgänger Medieval II: Total War nicht mehr, die sich unterwerfen ließen ohne einen großen Krieg zu verursachen. Nur noch deutsche Kleinstaaten wie Bayern oder Westfalen lassen sich noch ohne groß Aufsehen zu erregen dem Reich einverleiben. Andere Expansionsversuche münden so zwangsläufig in einem größeren Konflikt mit einem weit stärkeren Gegner, da sich die meisten Nationen an allen Seiten von größeren Nationen bedrängt sehen.

Das Imperium schlägt zurück!
Und Empire: Total War zwingt einem ja aggressive Expansionspolitik beinahe auf, denn schlagen die eigenen Armeen Wurzeln, sind die, von der künstlichen Intelligenz gesteuerten Gegner, nicht verlegen ihre Grenzen zu erweitern. Vor allem gehen Kriegserklärungen in Empire schnell von der Hand. Ohne ausverhandelten Militärischen Zugang wird das betreten von fremdem Gebiet als Kriegsakt angesehen, ebenso wie das „Parken“ eines Schiffes auf einer fremden Handelslinie. Aber: Krieg kostet. Die Einheiten sind teuer und auch ihr Unterhalt will bezahlt werden. Die Verteidigung der Grenzen und gleichzeitig ein Eroberungsfeldzug verschlingen große Summen, die besonders am Anfang nicht leicht aufzubringen sind. Hier hängt viel von geschickter Politik ab.

Geschickte Verbindungen
Doch die nimmt wesentlich weniger Platz ein als noch in den Vorgängertiteln. Das Parlament setzt sich immer aus dem Kopf des Staates und fünf Ministern zusammen, sei es absolutistische Monarchie oder Demokratie. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass der Zar, König, Kaiser oder welcher Monarch auch immer seine Minister einfach entlassen kann und an deren Stelle fähigere Leute engagieren kann, während für einen Wechsel im hohen Haus bei einer Demokratie nur durch eine Wahl geändert werden kann. Die einzelnen Minister bringen je nach ihrer Fähigkeit im Amt verschiedene Boni wie verringerte Unterhaltskosten für die Armee. So empfiehlt es sich stark, den einfachen Weg zu gehen und als absoluter Herrscher über Volk und Reich zu bestimmen anstatt die – nur in den USA vertretene – Demokratie anzustreben.

Militärpolitik?
Verbindungen von Generälen zur herrschenden Familie oder dem Oberhaupt des Staates gibt es nicht mehr, sodass diese eher nebensächlich sind. Zwar bringen sie einen geringen Moralschub mit aufs Feld, die stärke ihrer Kavallerieeinheit zerbricht aber am Gewehrfeuer der gemeinen Linieninfanterie. Zudem, sollte ein General auf dem „Feld der Ehre“ fallen, lässt sich durch eine Geldzahlung einfach ein neuer General anheuern. Schluss die Tage wo man noch einen General für die Leitung einer Stadt brauchte und Heiratspolitik betrieb um den Mangel zu beseitigen. Das nimmt aber auch den Reiz, eine starke Herrscherfamilie zu gründen.

Angriff der Klonkrieger!
Auch die Soldaten, die unter dem Kommando des Generals dienen sind ersetzbar. Nach einer Schlacht werden die Linien durch einen einfachen Klick und ein wenig Geld wieder aufgefüllt. So kann ohne Rücksicht auf Verluste zu Feld gezogen werden, da die Armee in der nächsten Runde wieder unter vollen Waffen steht. So kann die Klonarmee mit ihren – historisch korrekt – identen Uniformen und einheitlichen Gesichtern bar jeden Unterschiedes – vorbei die Zeiten der Rüstungsunterschiede - in die nächste Schlacht ziehen. Rüstungsvielfalt oder Unterschied zwischen den Männern fiel „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ zum Opfer obwohl die Französische Revolution erst 100 Jahre später stattfand.

Blutige Zeit
Doch die Schlachten in Empire haben sich stark verändert. Das Schießpulver setzt die Schlachten in eine ganz andere Ebene. Die Musketen der gemeinen Infanterie haben nur eine begrenzte Reichweite, und um Treffer zu landen müssen sie sich selbst in die Reichweite der gegnerischen Schützen begeben. So fallen die Verluste auf beiden Seiten schwer aus. Geht schließlich einmal das Schießpulver aus stürzen sich die Musketiere mit ihren Bajonetten in den Nahkampf. Überragende Siege mit geringen Verlustzahlen lassen sich so kaum mehr erreichen. Zwar bietet eine höhere Position den Vorteil einer größeren Reichweite, doch der währt nur so lange bis der Feind seinerseits die Gelegenheit zum Feuern bekommt. Auch die durchschlagende Wirkung eines Kavallerieangriffs bleibt aus, da der Ansturm an den Bajonetten der Gegner abprallt.

Provinzeinkommen
Aber Kriege werden ja geführt, um Provinz um Provinz dem Reich einzuverleiben. Zum erobern gibt es zwei Möglichkeiten: Die Geduldige, und die ungeduldige, soll heißen das umliegende Gebiet verwüsten und Profit aus der Plünderung von umliegenden Ansiedlungen schlagen, denn Provinzen bestehen nicht mehr nur aus der Hauptstadt, es wachsen auch kleine Städte heran, in denen Gewerbebetriebe oder Schulen gebaut werden können. Zum Anderen wäre da noch die Möglichkeit einfach in die Stadt einzufallen und das geht bedeutend schneller, da die Wartezeit zwischen den Runden wegen der vielen Nationen oft länger dauert als das eigentliche Spiel.

Die Belagerungen von Städten fallen allgemein eher wie Feldschlachten aus. Belagerungswerkzeuge sind antik und veraltet. Die Städte selbst werden nur mehr durch ein Steinfort im Herzen der Stadt geschützt an deren Mauern kleine Kanonen platziert sind. Um den „Steinwall“ zu überwinden werfen die Invasoren Enterhaken um an der Mauer hochzuklettern. Bei Bedarf können entsprechende Kanonen auch einfach Löcher in den Wall reißen. Quantität kann auch hier Berge versetzen und Forts stürmen.

Bedeutsamer Fortschritt
Kanonen die Wälle effektiv durchbrechen und Bajonette sind alle ein Ding des militärischen Fortschritts, aber der will erst erforscht werden. Die Zeit der Aufklärung bewegt die Menschen dazu, Dinge weiterzuentwickeln und damit hat sich auch Empire weiterentwickelt, denn befindet sich eine Schule in der Nation, kann geforscht werden. Die Forschung gliedert sich hier in drei Bereiche: Militär, Philosophie und Industrie. So werden in Schulen das Bajonett erforscht und das gliedweise Feuern, das den Soldaten nicht schon bei Beginn zur Verfügung steht. So ist es also auch möglich durch geschicktes Forschen dem Gegner einen Schritt voraus zu sein. Außerdem ist es so möglich die Nation auf militärischer oder wirtschaftlicher oder einfach technologischer Basis Macht erlangen zu lassen, wenngleich beim Militär die meisten Möglichkeiten bleiben. Einen Edelmann in eine Schule zu schicken verkürzt die Zeit die das erforschen braucht.

Lebhafte Männer
Der Edelmann ist eine der neuen Spezialeinheiten, die den Diplomaten, den Kaufmann und den Meuchelmörder ersetzen. Er fechtet Duelle mit anderen Edelmännern aus um so die Ehre des Reiches zu vergrößern (und löst dabei nicht einmal einen Krieg aus!), beschleunigt die genannten Forschungen und stiehlt Technologien von anderen Nationen. Zudem wäre da noch der Lebemann, der einfach den Assassinen ersetzt, Sabotage durchführt und Morde an wichtigen Persönlichkeiten oder anderen Spezialeinheiten begeht. Zuletzt gibt es noch den Priester, dessen einzige Aufgabe es ist, die Bevölkerung zu konvertieren und so möglicherweise Unruhen in feindlichen Städten hervorzurufen.

Kanoneneinschlag
Die bedeutendste Neuerung von Empire: Total War schlägt ein wie eine volle Breitseite: Die Seegefechte. Nicht nur zu lande tobt jetzt der Krieg sondern auch zur See können die Gefechte jetzt von Hand in Echtzeit geführt werden. Nach wie vor kann aber wie bei allen Schlachten der Computer das Ergebnis berechnen. Die verschiedenen Schiffsklassen unterscheiden sich in ihrer Wendigkeit, Geschwindigkeit und – am wichtigsten – der Anzahl der Kanonen, denn bei Bedarf kann bei voll geladenen Kanonen eine volle Breitseite abgefeuert werden. Zudem stellt das Entern kampfunfähiger Schiffe den Zugewinn eines neuen Schiffes dar. Und kampfunfähig macht man die Flöße mit „Kettenkugeln“ die die Masten zu Fall bringen sollen oder Schrapnellen die die Mannschaft reduzieren. Bei vielen Schiffen werden die Gefechte aber schnell kompliziert, da die Menge an Aktionen erdrückend ist. Etwa mit welchen Segeln (volle Segel, Kampfbeseglung, etc.) ein Schiff ’gen Feind fährt. Dazu ist der Vorteil meist auf der Seite jener Flotte die mit dem Wind segelt, also in deren Rücken er bläst.

Besonders in den Schlachten zur See zwingt die Grafikengine viele Rechner in die Knie da das Wasser perfekt spiegelt und die Sonnenstrahlen richtig aufsaugt und die Schiffe mit Mannschaft bis ins Detail detailliert dargestellt werden. Dafür hat sich bis auf den Rauch und die sanfteren Kanten bei den Landschlachten wenig verändert, ebenso wie bei der Strategiekarte, die der aus Vorgänger Medieval II: Total War sehr gleicht, bis darauf dass die großen Städte jetzt direkt auf der Strategiekarte unterteilt werden und die gebauten Gebäude sichtbar sind. Der Sound passt mit allen Schlachtgeräuschen, Kanonendonnern und Gewehrsalven perfekt ins Gesamtkonzept und auch die „Gründerväter-Musik“ verleiht dem Spiel einiges an Atmosphäre.

Die Menüs des Spiels haben sich ebenfalls angepasst. Weniger, dafür unübersichtlicher. In Städten lassen sich nunmehr nur 5 Bauslots belegen. Die Gebäude können danach nur mehr ausgebaut werden. Zwar lassen sich die Städte noch durch den entsprechenden Regierungssitz in eine bestimmte Richtung lenken (wirtschaftlich oder militärisch), es bleibt aber immer nur bei den wenigen Gebäuden. Über Regler lassen sich noch die Steuern einstellen, die die beiden Bevölkerungsschichten, Adel und Unterschicht, zu bezahlen haben. Die Diplomaten wurden ebenfalls einfach durch ein Menü ersetzt. Verhandlungen mit anderen Nationen passieren auf Knopfdruck, dann werden Angebote Vorgebracht, wobei Minimalismus Forderungen und Angebote in eine Schaltfläche gepfercht hat, so heißt es etwa: Zahlungen -> Forderungen um eine Forderung abzugeben.

Wertung
8
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0
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7
7

<p>Der Minimalismus h&auml;lt Einzug in der Total War Reihe. Das ganze Spiel ist zwar um einige, &auml;u&szlig;erst n&uuml;tzliche Features wie etwa die Forschung, die einen feinen Vorteil gegen&uuml;ber dem Feind bieten kann, oder aber einfach spannende Dinge wie die Seeschlachten erweitert worden, ist aber als Gesamtpaket an M&ouml;glichkeiten geschrumpft. Die St&auml;dte lassen sich nicht mehr nach belieben ausbauen. Besonders bei den Belagerungen macht Empire einen R&uuml;ckschritt. Belagerungsinstrumente sind nicht existent und anstatt gro&szlig;er Trutzburgen steht ein kleines Steinfort inmitten der Stadt um den Invasoren Kontra zu geben. Allgemein hei&szlig;t das Motto von Empire: Total War &bdquo;konvertiert und komplexer&ldquo;. Trotzdem sind die Neuerungen von Empire anspornend und interessant, besonders w&auml;hrend der neuen Kampagne, dem &bdquo;Weg zur Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; der den Freiheitskampf der Vereinigten Staaten darstellt, und an deren Ende auch die USA als spielbare Nation steht.</p>

Wertung wird angezeigt
8

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Auf einen Blick: Die Wertung
Grafik
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80

<p>Der Minimalismus h&auml;lt Einzug in der Total War Reihe. Das ganze Spiel ist zwar um einige, &auml;u&szlig;erst n&uuml;tzliche Features wie etwa die Forschung, die einen feinen Vorteil gegen&uuml;ber dem Feind bieten kann, oder aber einfach spannende Dinge wie die Seeschlachten erweitert worden, ist aber als Gesamtpaket an M&ouml;glichkeiten geschrumpft. Die St&auml;dte lassen sich nicht mehr nach belieben ausbauen. Besonders bei den Belagerungen macht Empire einen R&uuml;ckschritt. Belagerungsinstrumente sind nicht existent und anstatt gro&szlig;er Trutzburgen steht ein kleines Steinfort inmitten der Stadt um den Invasoren Kontra zu geben. Allgemein hei&szlig;t das Motto von Empire: Total War &bdquo;konvertiert und komplexer&ldquo;. Trotzdem sind die Neuerungen von Empire anspornend und interessant, besonders w&auml;hrend der neuen Kampagne, dem &bdquo;Weg zur Unabh&auml;ngigkeit&ldquo; der den Freiheitskampf der Vereinigten Staaten darstellt, und an deren Ende auch die USA als spielbare Nation steht.</p>

Sound
10
Steuerung
7
0
Atmosphäre
9
Motivation
7
Bunnyfaktor
7