Harter Überlebenskampf
[G2:11779 class=g2image_float_right]In der riesigen Metropole New York entsteigt Blinko Drawic einem Frachter aus Osteuropa, der gerade am Hafen angelegt hat. New York? Klingt nicht nach GTA IV. Ein realer Name passt nicht ins Bild des neuen Actionspiels von Rockstar Games, auch wenn die Stadt selbst, namentlich Liberty City detailgetreu nach der amerikanischen Metropole konstruiert wurde. Also noch mal von vorne: In der riesigen Metropole Liberty City entsteigt Niko Bellic einem Frachter aus Serbien, der gerade im Hafen angelegt hat, wo ihn sein Cousin Roman erwartet.
[G2:27514 class=g2image_float_right] Roman hat brieflich über sein Leben berichtet und es etwas ausgeschmückt. Anstatt einer dreistöckigen Villa residiert er in einem schäbigen Appartement. Das Leben ist nicht leicht als Immigrant wie der Neuankömmling Niko herausfinden soll. Als Hilfsarbeiter für die Russenmafia, für die Italiener und für seinen Bruder wird er bald in eine Spirale aus Gewalt und Verbrechen gezogen.
Harter Background
[G2:20654 class=g2image_float_right]Die Story vom Selfmade Millionär, raus aus den schäbigen Bezirken von Liberty City, gleicht einem Gangster-Streifen aus den 70er Jahren, der schon in einigen Spielen verarbeitet wurde. Dennoch sind die Charaktere aus GTA IV tiefer. Sie haben eine Vergangenheit, Skrupel und kontroverse Eigenschaften. Alles soll realistischer und dreckiger, näher an der Wirklichkeit erscheinen. Das zieht sich durch die Story von GTA IV und auch durch die Spielmechanik. Einige Charaktere sind eine Kritik an die Lebensweise amerikanischer Bürger, andere wieder klischeehaft, humorvoll dargestellt. Doch bewegt sich die Serie weg von Glitzerstadtleben und lustig-leichten Überzeichnungen. Der gute Humor ist immer noch drin, ist oftmals aber schwer auszumachen. Nur bestimmte Personen und Ereignisse lassen das Gesamtpaket nicht ganz in die Ernsthaftigkeit abrutschen. Wenn man sich aber Zeit nimmt und alles genau beobachtet fällt einem doch immer wieder auf, dass die Entwickler lustige Menschen sind. Die „Statue of Happiness“ etwa hat einen Cafébecher in der einen Hand und sieht aus wie Hillary Clinton.
Harter Realismus
[G2:27462 class=g2image_float_right]Zum düstereren Setting gehört aber auch eine „realistischere“ Physik, die die Brutalität im Spiel anhebt. Werden Passanten von einem Auto mitgerissen oder überfahren schleudert es sie tödlich übers oder neben den Wagen. Realismus ist das aber dann doch nicht ganz, wenn Passanten nach einem fatalen Crash wieder aufstehen, oder aus dem Auto steigen, weil es gerade gestohlen wird, gegen eine Wand laufen und tot sind. Die Fahrphysik ist aber der Kern allen Übels. Die arcadelastige Fahrweise der Vorgänger ist verschwunden.
[G2:27586 class=g2image_float_right]Näher an der Wirklichkeit soll das ganze sein, ist es aber nicht. Bis ein Auto einmal wirklich schrottreif ist, können ganze MG-Magazine darauf geschossen werden, dutzende Unfälle gebaut und tausende Fahrfehler begangen werden. Sollte der Wagen dann immer noch nicht brennen lässt er sich zumindest nicht mehr anstarten. Vielleicht ist das alles aber auch Teil eines ausgeklügelten Plans, denn Unfälle passieren häufig. Der Weg nach der Betätigung der Bremse liegt etwa eine Straße nach der gewünschten Abzweigung. Insgesamt steuern sich die Autos nervig. Dazu wurde die Geschwindigkeit gedrosselt, selbstmörderische Motorradritte gehören also der Verhangenheit an.
Hartes Blei[G2:29296 class=g2image_float_right]Blei wird nicht nur zum Schutz vor radioaktiver Strahlung verwendet sondern auch zum voll pumpen des Körpers des Gegners. Soll heißen: Zum Schießen. In GTA IV werden Konflikte meist durch die Waffe bereinigt. Soll wiederum heißen: Viele Schießereien, massig Munitionsverbrauch und ein schickes Arsenal an verfügbaren Waffen zum möglichst effektiven Beseitigen des Gegenübers. Besucht Niko ein Waffengeschäft, drängt sich aber unweigerlich das Gefühl auf es fehle was. Große Waffen sucht man vergebens.
[G2:11154 class=g2image_float_right]Die alles vernichtende 500-Schuss-Gatling sowie der Flammenwerfer wurden einfach aus dem Arsenal geschmissen. Auch bei den Maschinenpistolen hat GTA IV abgespeckt. Wo in vorherigen Spielen noch drei oder vier MPs vorhanden waren sind jetzt nur mehr zwei mit von der Partie. Nachdem wie immer noch genug Munition an den Mann gebracht wird, muss diese immer wieder aufgefüllt werden. Jetzt als einzelne Magazine erhältlich, die weit weniger Geld verschlingen als früher. So ist es aber auch wesentlich einfacher an einen Haufen Munition und durchschlagskräftige Kaliber zu kommen, da die starken Waffen schon früh erhältlich sind.
Sanfte Straßenverkehrsordnung
[G2:27806 class=g2image_float_right]An gerade genannte hält sich in GTA IV nur der gesetzestreue Bürger, und Niko Bellic ist nicht wirklich ein vorbildhaftes Beispiel was das befolgen der Gesetze betrifft. Als Großstadt mit vielen Verkehrssündern ist es den Polizisten von Liberty City relativ egal ob hier und da ein Serbe mit überhöhter Geschwindigkeit vorbeibraust oder eine rote Ampel überfährt oder gleich mitnimmt. Grantig werden die Ordnungshüter nur wenn Niko jemanden in der Nähe oder auch sie selbst abknallt oder anfährt. Bei kleineren Verbrechen wie etwa eine Delle ins Polizeifahrzeug zu fahren wird der Spieler nur von wenigen Einheiten verfolgt.
[G2:27458 class=g2image_float_right]Es ist jetzt aber nicht mehr einfach damit getan der Polizei eine gewisse Zeit davonzufahren sondern es will aus dem eingekreisten Fahndungsbereich ungesehen entkommen werden. Hört sich anfangs schwierig an (wird es auch auf höheren Fahndungsleveln), bis zu drei Sternen ist das aber Verbrecher-ABC. Außerdem darf sich Niko bei Verfolgungsjagden mit seinen Waffen aushelfen. Mit der Pistole, der MP oder Granaten kann er in jede mögliche Richtung aus seinem Wagen heraus feuern (manche Aktionen müssten einen spektakulären Knochenbruch zur Folge haben).
Coole Kumpels
[G2:20439 class=g2image_float_right]Viele der Menschen in Liberty City, die Niko in den Schlamassel gebracht haben und ihn mit weiteren Handlungsrelevanten Missionen versorgen entpuppen sich später als gute Freunde, deren liebste Freizeitbeschäftigung es ist, mit ihm abzuhängen. So ruft sich der Serbe also per Handy mit seinen coolen Kumpels zusammen und verabredet sich zu einem Besuch im Stripclub oder einem Helikopter-Flug. Sind die Kumpels erst gehörig beeindruckt vom Spieler, bieten sie ihm verschiedene Hilfen an.
[G2:27622 class=g2image_float_right]Der Steroide-Gepushte Brucie Kibbutz etwa fliegt Niko mit seinem Helikopter aus der Gefahrenzone während Kiffer-Onkel Jacob Waffen besonders billig verkauft. Aber die Kumpels sind nicht die einzige Begleitung die Niko auftreiben kann. Lässt er seinen Charme spielen oder surft im Internet auf „love-meet.com“ kann er verschiedenste (oft irre) Freundinnen ausführen. Es gibt viele Orte für Verliebte in Liberty City die zum Spaß haben einladen. Die Bowlingbahn, Dartscheiben, Pubs oder noble Restaurants, wenngleich der Spaß auch erst nach den Ausflügen beginnt, wenn man todesmutig die Mädels fragt ob man noch mit hoch kommen dürfe.
Weites Web
[G2:27758 class=g2image_float_right]Um dem ganzen Freizeitspaß die Krone aufzusetzen gibt’s in GTA IV auch an manchen Ecken Internet-Cafés die besucht werden können. Dort setzt man sich entspannt an den PC und checkt entweder die Mails auf Nikos privatem E-Mail Konto auf das er nicht nur Briefe aus der alten Heimat sondern auch Spam-Mails erhält, oder man surft auf bereits genannter Website „love-meet.com“ oder durchforstet das WWW nach so manchen anderen Seiten von denen es zu viele zu geben scheint um sie alle durchzuklicken. So gibt’s etwa auf „alltheydonotwantyoutoknow.com“ die geheimen Karten für Waffenfundorte und die Standorte der „fliegenden Ratten“ – das sind 200 Tauben die in Liberty City herumlungern und abgeschossen werden wollen – zu entdecken. Die eine oder andere Mission, wenn auch nur sehr wenige, betrachtet im Ganzen, verlangt auch die Nutzung des Spielinternets. Aber nur die relevanten Seiten sind in deutscher Ausgabe, der Rest ist auf Englisch.
Harte Aufgaben
[G2:27762 class=g2image_float_right]Die Missionen in GTA IV müssen (wie in allen vorherigen Teilen) nicht linear abgearbeitet werden. Da die Reihe seit jeher auf viel Freiheit setzt steht es dem Spieler frei, welchen Auftraggeber er konsultieren möchte. Ist ein Teilstrang erfüllt eröffnet sich ein weiterer Strang, bis man schließlich am Ende angekommen ist. Viel Abwechslung gibt’s nicht. Immer will jemand erledigt werden oder eine rasante Verfolgungsjagd durch die Innenstadt überlebt werden. Dafür gibt’s am Anfang einer jeden Mission immer eine Sequenz präsentiert, die jedes Mal filmreif geschnitten ist.
[G2:27774 class=g2image_float_right]Die Aufgaben werden meist per Handy erteilt. Das heißt, gibt es einen neuen Auftraggeber meldet sich dieser am Telefon und erscheint dann als Namenskürzel auf der Minikarte. In einigen wenigen Missionen steht der Spieler vor der Wahl: Die Person lynchen oder am Leben lassen. Auswirkungen auf den späteren Verlauf hat das keine. Lässt man die Personen die nur Statistenrollen besetzen am Leben, so erscheinen sie Später wieder in Form von nicht handlungsrelevanten Missionen die nebenbei erledigt werden können und nicht mal gutes Geld in die Kasse bringen. Erst gegen Ende steht eine Entscheidung von Bedeutung an, die eines von zwei Enden zur Folge hat. Und dann geht alles in einem bombastischen Feuerwerk zu Ende.
[G2:29280 class=g2image_float_right]Explosionen in GTA IV sind einfach Atemberaubend, deshalb werden sie auch nicht unbedingt spärlich verwendet. Die Grafik wäre überhaupt in der Spitzenklasse einzuordnen, wenn man sie nur verwenden könnte. GTA IV beurteilt die Leistung einer Grafikkarte nämlich nach seinem V-RAM Speicher und nicht nach den tatsächlichen Benchmarks. Verschiedenste Tricks kursieren im Internet wie sich die Grafik dennoch verwenden ließe, es gibt aber bei keinem die Garantie dass es funktioniert. Dennoch: Auf maximalen Einstellungen sieht GTA IV einfach toll aus. Die Weitsicht präsentiert einen fantastischen Blick über die riesige Metropole Liberty City.
[G2:27454 class=g2image_float_right]Die Effekte sind knallig inszeniert. Explosionen sehen heiß aus und die Neonfarben der Downtown leuchten imposant in den Nachthimmel. Die Texturen sind klar und sehen gut aus. Die Schatten jedoch sind das große Manko am Aussehen des Spiels. Sie sind oft pixelig und unscharf. Hier und da verschandeln auch Grafikfehler das Bild, dass etwa plötzlich der Bodenbelag verschwindet. Die Sounds hingegen sind durch und durch perfekt. Die Geräusche der Motoren, besonders bei PS starken Schlitten sind beeindruckend und die Bleispritzen hören sich echt an. Die vielen verschiedenen Radiosender bieten moderne Musik etwa von Genesis oder Queen sowie Black Sabbath für jeden Geschmack. Die toll gesprochene Sprachausgabe ist jedoch nur in Englisch. Dafür gibt’s aber deutsche Untertitel.
[G2:27794 class=g2image_float_right]Untertitel braucht es im rasanten Online-Modus von GTA IV der erstmals mit dabei ist nicht, denn da wird nicht geredet sondern nur geballert. Verschiedene Modi wie Team-Deathmatch, Deathmatch und Mafya-Jobs (einer der wie ich finde besten Modi) haben nur ein einziges Ziel: Auslöschen der Konkurrenz. Bei Team-Mafya-Jobs wollen auch noch zwei Teams bestimmte Aufgaben für ihren Paten erledigen. Das Prinzip bleibt sonst überall das gleiche. Mehrere Spieler sammeln Waffen auf um sich gegenseitig mit Blei voll zu pumpen. Dabei werden gleich auch noch mehrere Fahrgemeinschaften gegründet, die dann mit voller Feuerkraft mitten rein ins Gemetzel fahren und sich auch noch mit der Polizei anlegen.
[G2:27826 class=g2image_float_right]Im Multiplayermodus ist also alles drin. Die Stärken von GTA IV mit viel wüstem Geballere mit Kumpels oder einfach Menschen die gerade im Internet hängen. Spaß pur. Um dem virtuellen Ich noch den persönlichen Touch zu geben lässt sich die Spielfigur frei erstellen. Aus verschiedenen Köpfen, Frisuren und Outfits kann gewählt werden. Wenn die ganzen Schlachten dann noch mit dem PC-Exklusiven Video-Editor aufgenommen und zu ganzen Filmen gemacht werden. Mal gemeinsam mit mehreren Kumpels vor den PC gesetzt und ein Drehbuch abgearbeitet und schon entsteht aus GTA IV durch den einfach zu bedienenden Editor ein Machinima (Kurzfilm mit einem PC-Game gedreht). So bleibt das Spiel noch lange spannend, aber mit echten Freunden.
GTA IV ist ein wundertolles Spiel. Gut, das Adjektiv gibt’s nicht. Trotzdem ist der neue Rockstar Titel ein wahnsinnig intensives und lebendiges Spiel. Die Metropole ist wirklich am Leben und die vielen Freizeitbeschäftigungen halten während andauern der Missionen doch die Motivation hoch, denn es gibt viel zu tun. Danach wird’s allerdings eher mau und es wird an der Zeit in den bombastischen Multiplayermodus zu wechseln und eigene Filme zu schnippeln. Die Grafik ist an ihrem Höchststand bisher in einem GTA aber der Realismus nervt mich persönlich oft genug und die Ernsthaftigkeit würde ich doch lieber gegen Klischee-Gangster mit Goldketten eintauschen.