Hauptfigur in „Psychonauts“ ist Rasputin, kurz „Raz“. Rasputin fristet sein junges Dasein im Wanderzirkus seines Vaters. Was Raz weiß, sein Vater aber nicht akzeptieren möchte: Raz fühlt sich zu höherem berufen. Er möchte ein Psychonaut werden. Als abgedrehte Mischung zwischen Sigmund Freud auf Acid, übersinnlichem SWAT-Kommando und mentalem Psychobauarbeiter geht’s als Psychonaut in die Gedanken- und Traumwelten anderer Köpfe. Dort wird das Denken von geistigen Spinnweben befreit, die die Synapsen verkleben und allerlei Krimskrams aus der mentalen Mottenkiste eingesammelt.
Coach Oleanders Hirnanfängerausbildung
Um seinen Traum vom Psychonautendasein zu verwirklichen, macht sich Raz auf ins Sommercamp der angehenden Psychonauten. Er packt seine sieben Sachen und flüchtet im Dunkel der Nacht ins Sommercamp. Dort angekommen muss er sich zunächst beweisen. Nur wer’s schafft, ohne größere Schäden an Substanz und Geist „Coach Oleanders Hirnanfängerausbildung“ zu überstehen, hat das Zeug zum Psychonauten.
Verworrene Welten
Mit überdurchschnittlichem Talent gesegnet, bewährt sich Raz schnell im Camp, hüpft und springt sich durch verworrene Welten, die der Gehirnmixer zugänglich macht, lernt nach und nach spezielle Kräfte wie den mentalen Feuerball zu beherrschen – und steht plötzlich als einziger mit Gehirnschmalz bewaffneter Psychonautenanwärter da, nichts geringeres als die Aufgabe zu meistern, seine Freunde vor einem großen Übel zu retten.
"Fernsehen, Fernsehen"
Denn eins ist klar: Seine Freunde stieren nicht ohne Grund plötzlich vor sich hin; den einzigen Wunsch nach „Fernsehen, Fernsehen“ artikulierend. Jemand betreibt arges Schindluder, raubt den jungen Sommercampbesuchern ihre Gehirne, um mit ihnen einen mächtige Waffe zusammenzuschrauben. Klar, dass wir in der Rolle des Raz die kleinen Individuen zu retten versuchen und mit Hilfe von mentalen Kräften, die vielseitiger nicht sein könnten, die Hirnbefreiten aus der Hand des Bösen zu befreien.
Kreativ, liebevoll, detailliert
„Psychonauts“ präsentiert sich als extrem vielseitiges Jump and Run mit wohldosierten Adventuremomenten. Da wird gehüpft, gesprungen, gelaufen bis zum Abwinken und gesammelt und verwertet, dass es eine Freude ist. Wo Genregrößen wie Sonic the Hedgehoc die Puste ausgeht, fängt Raz erst an. Da gibt’s Welten, die so abgedreht sind, dass es einem die Schuhe auszieht vor der kreativen, liebevollen, detaillierten Gestaltung der Umgebung.
Von Verschwörungen und Lungenfisch-City
Spätestens in der Gedankenwelt eines paranoid-schizophrenen Bewohners der Psychonauts-Welt, die randvoll gefüllt ist mit CIA-Agenten, die incognito, getarnt als Familienväter, Hecken schneiden oder aus jedem Strauch eine Kamera hervorzuckt und Blitzlicht blendet, hat das Spiel einen gepackt und lässt nicht mehr los. Da geht’s als riesengroßer King Kong Raz durch die Stadt „Lungenfisch-City“, um revolutionäre Kräfte zu unterstützen und schließlich gegen die eigenen Dämonen, die alles bis dahin erlebte locker in den Schatten stellen.
Psychonauts, ein Meisterwerk
„Psychonauts“ stammt aus der Feder des Tim Schafer. Von ihm profitierten bereits Adventures wie „Day of the Tentacle“, „Full Throttle“ oder „Grim Fandango“. Mit „Psychonauts“ liefert Schafer sein Meisterwerk ab. Lange hat man auf eine solche Perle unter den Computergames gewartet – und lange wird man, der oft allzu franchise-dominierten, ideen- und innovationsfernen Publisherentscheidungen auf solch ein Game warten müssen.
So kreativ, liebenswert und zur Liebe zum Detail gestaltet, so humorvoll und gewitzt, dass die Wände wackeln - "Psychonauts" zeigt, was Ideenreichtum in Computergames ausmacht.