Risen

Risen

Der Jäger sieht sich mit einem ganzen Rudel Wölfe konfrontiert. Als ob der in dieser Situation noch nie gewesen wäre … . Mit dem Bogen in der Hand wartet er ab, doch das Rudel beginnt, ihn einzukreisen und zu umzingeln. Er wechselt jetzt zu seinem Messer und die Gewissheit den Kampf gewinnen zu können sinkt. Geschwind führt er die Klinge und schneidet einen der Wölfe, dann aber beißt ihn eines der Tiere von hinten, und auch die anderen beginnen ihn anzugreifen. Nach kurzem Kampf liegt der Jäger tot am Boden. Ein Opfer der Wildnis.

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Die Gefahren des Waldes
Tempel erheben sich auf der ganzen Insel Faranga, denn die Götter haben sie verlassen und ihre Sklaven begehren die Freiheit. Deshalb kommt der Inquisitor auf seinen Schiff nach Faranga, doch dieses erleidet Schiffbruch. Der Inquisitor kann sich zwar in die Hafenstadt retten (er teleportiert sich einfach) aber der Spieler bleibt am Strand der Insel liegen.
So beginnt das eigentliche Gothic. Risen ist das neue Spiel von Piranha Bytes, den Gothic Machern, und das wird von Beginn an klar. Und das ist auch ganz klar positiv. Ein namenloser, von Amnesie geplagter Held soll ein Geheimnis lüften und die Geschichte des Spiels nach und nach enthüllen.

Problemlöser
Ganz nach dem Spruch „Ihre Probleme möchte ich haben!“ stürzt sich der Namenlose in allerhand Aufgaben. Erst angekommen in den Siedlungen der Stadt – dem Banditenlager oder der Hafenstadt – drängen sich sofort angenehm die ersten Aufgaben auf, die neben der Hauptgeschichte noch erledigt werden wollen. Jede dieser Aufgaben ist in eine kleine Geschichte um die Personen eingebettet. So soll der Spieler entweder bestimmte Gegenstände besorgen, Streit schlichten (manchmal mit seinem ihm angeborenen Charme oder aber mit der Keule), Detektivarbeit leisten und vieles mehr. Die Aufgaben sind vielfältig und verhalten sich nie wie normale Sammel- und Jagdquests. Für die Erfüllung dieser Aufgaben lassen die Auftraggeber auch mal Belohnungen springen, und der Held erntet mehr Lebenserfahrung.

Weisheit im Alter
Mit Lebenserfahrung sind natürlich Erfahrungspunkte (XP) gemeint, die den Levelaufstieg rollenspieltypisch vorantreiben. Typisch auch für ein Piranhabytes Spiel werden keine Attribute verteilt sondern mit einem Levelaufstieg Lernpunkte erhalten. Diese können bei den verschiedensten Lehrmeistern genutzt werden um die vielen Talente und Eigenschaften zu verbessern, und es gibt unzählige, sogenannte Perks: Von der Alchemie übers Schlösser knacken über Mana Steigerung zu Stärke auftrainieren. So entwickelt sich der Charakter erst im Laufe des Spiels und der Spieler hat währenddessen immer die Freiheit sich so zu entwickeln wie er es will. Erst später muss sich, um im Spiel fortzukommen einer Seite angeschlossen werden.

Bruderstreit
Ein weiterer Aspekt der gut erzählen Geschichte von Risen sind die Streitigkeiten der Inselbewohner seit der Ankunft des Inquisitors, der die Macht übernommen hat. Die Banditen leisten aus dem Untergrund widerstand, die Ordenskrieger versuchen die Ordnung aufrecht zu erhalten. Von beiden Seiten akzeptiert und neutral sind die Magier, die aber mit den Ordenskriegern gemeinsam in der uneinnehmbaren Vulkanfestung hausen, einst die Bastion der Magier, nun auch Herberge für die Inquisition. Einer der drei Seiten muss der Namenlose seine Zugehörigkeit anbieten. Als Schläger mit dicker Rüstung, Schwert und Bogen passt er perfekt ins Lager der Banditen das im Sumpf liegt. Als etwas magietrainierter Stabkämpfer als Kämpfer der Inquisition, und als Freund der Magie als Magier kann er ebenfalls seinen Weg bestreiten. Die Inquisition haust in der Hafenstadt, die sie unter ihre Kontrolle gebracht hat, und bevor es möglich ist, sich einer Seite anzuschließen, soll die Situation in der Stadt erst zugunsten von einer Fraktion geklärt werden. Dass der Weg erst im Spielverlauf bestimmt wird ist ein großer Vorteil, denn so lässt sich anhand der eigenen Spielweise während dem Spielen erkennen mit was man den größten Spaß hat. Dennoch: Im Vergleich zum direkten Konkurrenten, Gothic II, fehlen die verschiedenen Reaktionen der Bürger auf die eigene Zugehörigkeit. War man damals Bandit, so waren einem die Milizen böse gesonnen aber Bauern recht gut. Magier konnten arrogant durch die Stadt spazieren und sich die Drecksarbeit schon mal ersparen. Hier werden alle Klassen gleichermaßen geduldet, was weniger Reiz bietet, alles auszukosten.

Vorbeugende Maßnahmen
Um dem Sterben auf der Insel vorzubeugen sollte man sich bewaffnen, aber Waffen liegen in Risen nicht an jeder Ecke herum, auch deshalb weil nicht alle Kämpfer sie benötigen. Ein Magier etwa ist recht wehrhaft mit seiner Magie. Andere Klassen aber rüsten sich am besten mit den gefunden Gegenständen aus. In Risen ist es Kämpfern auch erlaubt ein Schild und einen Helm zu tragen. Immer wieder können gute Waffen als Questbelohnung oder von besiegten Gegnern erhalten werden, und diese werden im Spielverlauf mit dem Aufstieg des Helden immer mächtiger. Mit der Magie verhält sich das aber anders, denn die ist etwas ganz besonderes.

Feuerteufel
Magie kann jeder wirken, wenn er es gelernt hat, doch dieser Prozess ist eine langwierige Aufgabe. Erst nach dem Durchlauf der Ausbildung in der Vulkanfeste ist es erlaubt die Kristallmagie zu erlernen. Das ist jene Art von Magie die Kampfzauber und schädigende Zauber hervorbringt, etwa den Feuerball. Dann gibt es, bei entsprechender Weisheit, die durch das Lesen von Büchern oder Steintafeln erlangt wird, auch die Runenmagie zu erlernen. Diese bietet Heilzauber oder Verwandlungssprüche aber lehrt auch die Levitation und viele andere nützliche Sprüche. Als letzte Möglichkeit in einem Kampf dürfen Magier aber auch einen klapprigen Stecken mit sich führen.

Umweltschutz
Mittelalterlich ist das Setting von Risen, und mittelalterlich verhalten sich auf die Personen die auf der Insel leben. Rauer Umgangston, schnell mal ’ne Keilerei, Verbrechen. Risen bietet neben der schönen Umgebung auch dreckige Teile an. Drogenhandel, Armenviertel, viele raue Aspekte des Mittelalters sind vertreten, und das verleiht dem ganzen eine Art Charme der gefangen nimmt. Das Fantasyspiel erscheint realistischer ohne diese „Ritter in glänzender Rüstung“ Thematik, und das obwohl Faranga idyllisch wirkt, denn immer wieder führen breitgetretene Pfade durch dichte Wälder, die tagsüber schön, nachts gruselig wirken. Und die Landschaft bleibt im Kopf. Schnell merkt man sich bestimmte Pfade die die Insel durchziehen und findet den Weg auch ohne Karte, das ist bemerkenswertes Landschaftsdesign. Zusätzlich dazu können auch die, aus der Erde aufgetauchten Tempelanlagen untersucht werden, doch diese strotzen vor Fallen und gefährlichem Getier, man sollte sich also als gut vorbereiteter Schatzsucher in die Tiefen wagen, die ein Teil des Spielgeschehens sind.

Artenschutz
In den Wäldern tummelt sich aber allerhand Fauna, und die ist gefährlich. Während man sich in der Stadt mit Menschen prügeln darf, warten im Wald oder in der Wildnis gefräßige Viecher darauf den Spieler und sein alter Ego auffressen zu dürfen. Neben Laufvögeln und Wölfen „bereichern“ Riesenmotten und Goblins die Umwelt. Gut gerüstet stellen die Kreaturen meist meine Bedrohung dar, aber wenn man sich ihrer Taktiken nicht bewusst ist, können sie schon gefährlich werden. Wölfe etwa umzingeln gerne im Rudel, Goblins werfen aus der Entfernung mit Büchern, Steinen und allerhand anderem und durchbrechen so die Verteidigung. Stur draufhauen wirkt also nicht, der Kampfstil des Namenlosen muss sich von Gegner zu Gegner verändern und weiterentwickeln, und je größer sein Wissen im Kampf ist, desto mehr Arten des Angriffs beherrscht er, etwa eine Konterparade oder einen Seitwärts-Angriff.

Freizeitbeschäftigung
Und wenn man nicht in die vielen kleinen Nebenquests verstrickt ist, oder an der Hauptaufgabe zu arbeiten hat, dann sollte man sich ein warmes Bad gönnen. Sinn hat das zwar keinen, ist aber ein Beispiel für die unzähligen Sachen, die der Namenlose machen kann, wenn er seine Freizeit auskosten möchte. Am Wegesrand lassen sich Pflanzen sammeln, die dann später in der Stadt durch Alchemie in einen wohltuenden Trank verarbeitet werden können. Oder aber der Held als Kämpfer schmiedet sich seine eigenen Waffen, für die er zuvor das Erz aus einer Höhle gehauen hat.

Nachfolger im Geiste
Risen ist ein Neubeginn für die Gothic Macher und so spielt es sich. Wie ein Gothic Teil, und das ist positiv. Im direkten Vergleich jedoch ist Risen ein klein wenig schwächer. Die Reaktionen der Bürger auf die eigene Zugehörigkeit geht ab und die Magie bietet nur drei verschiedene Angriffszauber, die auch Ordenskrieger nutzen können.
Aber mit der einprägsamen Landschaft, dem rauen Ton der Inselbewohner und der doch spannenden, mythologischen Geschichte, präsentiert sich Risen gut. Eine moderne Fassung eines packenden Rollenspiels, mit vielen Figuren und interessanten Aufgaben abseits der Handlung.

Idylle
Grafisch ist Risen prächtig anzusehen. Die Landschaft ist durchgängig und aus einem Guss, detailliert zusammengefügt und weckt Lust auf Abenteuer. Die Grafik mit ihren Lichteffekten und den guten Figurmodellen trägt ihres dazu bei, das Abenteuer dann noch stimmig zu machen. Einzig bei näherem Betrachten fällt auf dass die Texturen nicht recht scharf sind. Kantenglättung ist ebenfalls nicht im Spiel vorhanden, aber die meisten Kanten sind auch so gerundet, und müssen Ecken immer Rund sein? Außerdem ist das Spiel auch auf älteren PCs noch gut spielbar. Der, wieder von Kai Rosenkranz komponierte, Soundtrack bietet epische und gruselige Stücke auf, die, gemeinsam mit den ausgezeichneten Sprechern das Gesamtbild als atmosphärisches Rollenspiel abrunden. Ein Detail am Rande dass für Kenner die Verwandtschaft zu Gothic deutlich macht: Inquisitor Mendoza spricht mit der selben Stimme wie Xardas in den Gothic Teilen!

Wertung
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Risen spielt sich wie Gothic, und es soll auch so sein. Das Spiel ist ein verbessertes Gothic mit mehr Komfortfunktionen, das aber in kleinen Details dem Vorbild unterliegt. Trotzdem ist Risen wegen seiner Rollenspiel untypischen Aspekte, wie Charakterentwicklung im Verlauf des Spiels und den Fraktionen wie der rauen Sprache, ein gutes Werk.

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9

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Auf einen Blick: Die Wertung
Grafik
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Risen spielt sich wie Gothic, und es soll auch so sein. Das Spiel ist ein verbessertes Gothic mit mehr Komfortfunktionen, das aber in kleinen Details dem Vorbild unterliegt. Trotzdem ist Risen wegen seiner Rollenspiel untypischen Aspekte, wie Charakterentwicklung im Verlauf des Spiels und den Fraktionen wie der rauen Sprache, ein gutes Werk.

Sound
10
Steuerung
9
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Atmosphäre
10
Motivation
9
Bunnyfaktor
10